Unsafe

Ein kleines Mädchen hat sich beim Versteckspiel in einem alten Safe eingeschlossen und droht, darin zu ersticken. Hilfe naht in Gestalt einer traumatisierten Feuerwehrfrau und ihres Kollegen, denen die Situation allerdings zunehmend merkwürdig vorkommt. Das ist die griffige Prämisse des deutsch-österreichischen Thrillers „Unsafe“, den Klischeeanfälle und das oft widersinnige Verhalten der Figuren regelmäßig aus der Bahn werfen.

 

Über den Film

Originaltitel

Unsafe

Deutscher Titel

Unsafe

Produktionsland

DE, AT

Filmdauer

90 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Clemens Wollein, Thomas Pridnig, Reik Möller, Moritz Lauer, Ulf

Regisseur

Thomas Sieben

Verleih

Wild Bunch Germany GmbH

Starttermin

05.11.2026

 

Die Netflix-Thriller „Kidnapping Stella“ und „Prey“ sowie der Leinwandgrusler „Home Sweet Home – Wo das Böse wohnt“ – Filmemacher Thomas Sieben hat sich in den letzten Jahren immer wieder auf dem Feld der spannenden und schaurigen Genreunterhaltung ausgetobt. Derartige Werke aus deutscher Produktion tun sich auf dem hiesigen Markt nach wie vor schwer. Beirren lässt sich der Regisseur deshalb aber nicht. Auch seine jüngste Arbeit, der kammerspielartige Reißer „Unsafe“, will den Puls der Zuschauer nach oben treiben und wirft sie in ein griffig-beklemmendes Szenario, das, zumindest eine Weile, zum Miträtseln animiert.

Zeit für die Einführung der Protagonisten nimmt sich das von Sieben und Jonathan A. H. Stewart verfasste Drehbuch kaum. Gleich mit den ersten Bildern wird das Trauma der Feuerwehrfrau Alex (Jeanne Goursaud) etabliert: Bei einem früheren Einsatz konnte sie ein kleines Mädchen nicht aus den Flammen retten. In der Gegenwart geht es flugs zu einer neuen Rettungsmission, die sich zunächst nach einem Routinefall anhört. Ein Kind soll sich in einem Keller eingesperrt haben. 

Vor Ort stellt sich die Situation dann allerdings etwas komplizierter und ungewöhnlicher dar. Ein aufgebrachter Mann (Anton Noori) gesteht Alex und ihrem Kollegen Jakob (Laurence Rupp), dass sich seine Tochter Laura beim gemeinsamen Versteckspiel versehentlich in einem alten Standtresor im Untergeschoss des einsam gelegenen Hauses eingeschlossen habe. Da dem Mädchen zunehmend die Luft ausgeht, ist schnelles Handeln gefragt. Schweres Schweißgerät wollen die Feuerwehrleute erst einmal nicht verwenden, aus Angst davor, Laura zu verletzen. Als ein herbeigerufener Schlosser und Safe-Experte (Christoph F. Krutzler) auch nicht weiterweiß, droht die Stimmung zu kippen. Gleichzeitig werden Alex und Jakob ob der Gegebenheiten in dem Haus langsam, aber sicher misstrauisch.

„Unsafe“ ist sicherlich nicht spannungsfrei. In schummrige Bilder getaucht, entfaltet die simple, indes druckvolle Prämisse einen gewissen Reiz. Sagen der Vater und seine hinzueilende Ehefrau (Alexandra Maria Lara) die Wahrheit? Warum läuft der Nachbar (August Schmölzer) ständig ein uns aus? Das Publikum wird angehalten, eigene Hypothesen aufzustellen, das unaufgeräumte Haus, in das die Familie angeblich erst vor kurzem gezogen ist, nach Hinweisen abzusuchen. Dass irgendetwas faul ist, spürt man schnell. 

Sich auf den Thrill, die Fragen zu konzentrieren, fällt jedoch schwer, weil wiederholt billigste Genreklischees auftauchen und die Charaktere der Gefahrenlage, sagen wir, höchst blauäugig begegnen. Die Technik – vor allem der Handyempfang – versagt immer dann, wenn es dem Drehbuch gelegen kommt. Manche Dialoge wirken in ihrem ach so schlauen Erkenntniswert unfreiwillig komisch. Und dafür, dass eigentlich jede Minute zählt, haben die Anwesenden, inklusive der Feuerwehrleute, erstaunlich oft Zeit für unnötiges Geplänkel. Die Spannung flaut da zwangsläufig ab. 

Auch das eingangs gesetzte Trauma der Protagonistin wertet den Film emotional nicht groß auf. Zu eindeutig lässt sich vorhersagen, wie sie das Erlebte durch den neuen Einsatz verarbeiten wird. Zu plump zeichnet „Unsafe“ ihren Schmerz (selbstredend greift Alex seit der verheerenden Erfahrung zur Flasche). Und zu plakativ wird das frühere Ereignis im Finale nachgestellt. Dass Alex und Jakob liiert sind, hat für die Geschichte ebenfalls kaum Mehrwert, ist eine Fußnote, aus der keine dramatischen Funken entstehen. Nach 90 Minuten stellt sich darüber hinaus die Frage, was diesen Thriller für eine Kinoauswertung prädestiniert. In Ermangelung an optisch hervorstechenden Qualitäten wäre der Nervenkampf im Streamingbereich wahrscheinlich besser aufgehoben. Gut möglich, dass das Ganze bereits mit Blick auf diesen Ausspielweg hin produziert wurde. Immerhin waren das ZDF und Netflix an der Entstehung des Films beteiligt.

 

Christopher Diekhaus

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