Im Grunde hätte Martin McDonagh seinen neuen Film „Wild Horse Nine“ auch „Die Osterinseln sehen und sterben“ nennen können, denn bei der grundsätzlichen Geschichte ließ er sich von sich selbst inspirieren. Waren es dort zwei Killer, sind es hier zwei CIA-Agenten, die auch schon reichlich getötet haben. Sam Rockwell spielt zum dritten Mal für McDonagh, John Malkovich ist sein Partner. Beide Schauspieler harmonieren hervorragend.
Über den Film
Originaltitel
Wild Horse Nine
Deutscher Titel
Wild Horse Nine
Produktionsland
GB, US, CL
Filmdauer
118 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Martin McDonagh, Graham Broadbent, Peter Czernin, Anita Overland
Regisseur
Martin McDonagh
Verleih
The Walt Disney Company (Germany) GmbH
Starttermin
12.11.2026
Die CIA-Agenten Lee (Sam Rockwell) und Chris (John Malkovich) sind in Santiago de Chile stationiert. Im Sommer 1973 arbeiten sie am Destabilisieren der Allende-Regierung, aber Chris wird immer mehr zum Sicherheitsrisiko. Er ist tödlich krank, vergisst vieles und erzählt gerne von dem, was die CIA so tut. Lee und Chris reisen auf die Osterinseln, weil Chris schon immer die großen Köpfe sehen wollte, aber nicht nur deswegen. Es ist ein abgeschiedener Ort, der geradezu ideal ist, um sich vom Leben zu verabschieden.
Bei „Brügge sehen und sterben“ sollte der ältere Killer den jungen töten, hier ist es umgekehrt, und die Gründe sind anders, aber im Kern ist es dieselbe Geschichte, die McDonagh hier erzählt. Das mag man negativ konnotieren, es ist auf den ersten Blick auch ein klein wenig enttäuschend, weil McDonagh als Theater- und Filmautor ansonsten weit, weit origineller erzählt. Aber er beweist wieder einmal, dass er es nicht nur versteht, plastische Figuren zu erschaffen, sondern ihnen als Meister des Dialogs auch geschliffene Worte in den Mund zu legen. Das Skript ist pures Gold, die Dialoge witzig, überdreht, dramatisch, aber nie so drüber, dass sie nicht noch authentisch wirken würden. Für Schauspieler vom Format eines Sam Rockwells oder John Malkovichs ist das pures Gold. Sie spielen einfach brillant.
McDonagh versteht es aber auch, die Schönheit der Osterinseln in Szene zu setzen; und er nutzt diese Pracht für eine Geschichte, die auch erstaunlich düster sein kann. Denn der Background ist der Putsch durch das Pinochet-Regime in Chile, unterstützt von den USA – stattgefunden am 11. September 1973. Es gibt Szenen, die für Gänsehaut sorgen, etwa dann, wenn Chris mit einer Studentin aus Chile spricht und ihr erklärt, was am 11. September passieren wird. Wie sie und ihre Freunde in das Stadion gebracht, wie sie gefoltert und wie viele von ihnen sterben werden. Chris, der ewige Lügner, sagt die Wahrheit, und aus dem Mund eines Mannes, der im Dienste des großen Ganzen grausame Dinge getan hat, ist das elektrisierend.
McDonagh beherrscht die Klaviatur narrativer Schönheit perfekt. Wenn er in einem Akt etwas einführt, dann erhält das im letzten Akt Bedeutung, sei es das Gewehr eines Attentats, das sich lange wie ein MacGuffin anfühlt, oder eine Warnung davor, sich niemals in ein Auto verschleppen zu lassen.
Die Dialoge leben von beißendem Humor, sie können ins Absurde abdriften, sind aber immer vielschichtig und tragen zur Charakterbildung bei. Auch wenn die Geschichte an sich nicht gänzlich neu sein mag, macht McDonagh daraus kluge Unterhaltung auf höchstem Niveau. Kino für Leute, die großes Schauspiel und große Dialoge lieben.
Peter Osteried







