Der Perfekte Schein – Der Fall Bojarski

Meisterdiebe, Trickbetrüger oder brillante Fälscher haben es dem Kino seit jeher angetan und so reiht sich der Pole Czesław Jan Bojarski nahtlos in eine lange Ahnengalerie ein. Im Frankreich der Nachkriegszeit fälschte Bojarski in seinem französischen Exil Millionen Franc bis ihn seine Hybris auffliegen ließ. Eine spannende, ausufernde Geschichte, die Jean-Paul Salomé in „Der Perfekte Schein – Der Fall Bojarski“ mit etwas Mühe in einer filmischen Erzählung bändigen kann.

 

Über den Film

Originaltitel

L’affaire Bojarski

Deutscher Titel

Der Perfekte Schein – Der Fall Bojarski

Produktionsland

FR, BE

Filmdauer

128 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Bertrand Faivre, Florence Gastaud, Michel Hazanavicius

Regisseur

Jean-Paul Salomé

Verleih

PROGRESS Filmverleih – PROGRESS Film GmbH

Starttermin

30.07.2026

 

Während des Zweiten Weltkrieges fälscht er Pässe, doch bald wird er sich mit anderem, wertvollerem, gefährlicherem beschäftigen: Czesław Jan Bojarski (Reda Kateb), ein Pole, dem die Flucht nach Frankreich gelingt, der von seiner neuen Heimat jedoch nie wirklich akzeptiert wird.

Nur durch die Heirat mit Suzanne (Sara Giraudeau) erhält er die französische Staatsbürgerschaft, doch für das System bleibt er immer ein Fremder. Auch ein Grund, weswegen es Bojarski nicht gelingt, seine zahlreichen Erfindungen zu patentieren, die ihm und seiner Familie ein gutes Leben hätten geben können.

So nimmt er das Angebot einer Kriegsbekanntschaft an, sich auf das Fälschen von Banknoten zu spezialisieren. Zwar wird die Bande schnell ausgehoben, doch Bojarski bleibt unerkannt, auch wenn sich von nun an der Kommissar André Mattéi (Bastien Bouillon) an seine Fersen heften wird.

Doch es wird viele Jahre dauern, bis der Kommissar seinem Ziel näher ommt, denn Bojarski geht geschickt vor: Erst in einem Versteck in einer Laube, später im Keller seines Hauses, entwickelt er Gerätschaften mit denen es ihm gelingt, nahezu perfekte Blüten zu produzieren.

Selbst die französische Nationalbank kann den Unterschied zwischen Original und Fälschung nicht erkennen, so gut sind Bojarskis Fälschungen, die ihm später, wenn er dann doch im Gefängnis sitzt, den Ruf, der Cezanne der Fälscher zu sein einbringen wird.

Mit einem brutalen, tödlichen Überfall auf einen Transport beginnt „Der Perfekte Schein – Der Fall Bojarski“, doch dieser actionlastige Auftakt täuscht. Denn im Folgenden inszeniert Regisseur Jean-Paul Salomé keinen Gangsterfilm, sondern versucht sich an einer psychologischen Studie eines Mannes, der durch die gesellschaftlichen Umstände zu einem kriminellen Leben im Schatten gezwungen wird. So zumindest will es das mythologisch aufgeladene Drehbuch, das auf den Recherchen des Schweizer Journalisten Jacques Briod basiert, der sich jahrelang mit der faszinierenden Figur des Czesław Jan Bojarski beschäftigt hatte.

Das dieser Pole vom so gar nicht slawisch wirkenden Reda Kateb verkörpert wird, mutet zwar etwas seltsam an, ist fraglos der Notwendigkeit geschuldet, einen augenscheinlich nicht billig produzierten Film mit einem in Frankreich sehr beliebten Starschauspieler zu besetzen, erweist sich jedoch als durchaus passendes Casting. Denn Kateb, dessen Vorfahren aus Algerien stammen, versteht es ausgezeichnet, den lebenslangen Außenseiter Bojarski zu verkörpern, der nie so ganz in der französischen Gesellschaft ankommt, der selbst seiner Frau misstraut und nur dann aufblüht, wenn er wie ein einsamer Wolf über seinen Fälschungen sitzt.

In den besten Momenten wirkt „Der perfekte Schein“ hier wie eine Hommage an große französische Kriminalfilme aus den 70er Jahren, gepaart mit einem deutlichen Einfluss des amerikanischen Krimikinos à la Michael Manns „Heat“. Das kommt besonders im Fernduell zwischen Fälscher und Polizist, zwischen Bojarski und Mattéi zum Tragen, dass nach einem zu ausführlichen ersten Drittel beginnt, den Film zu prägen.

Über Jahre haftet sich der Kommissar auf die Spur des Fälschers, den er als Genie betrachtet, dessen außerordentliche Fähigkeiten er aber auch insgeheim bewundert. Wenn sich diese beiden Charaktere dann einmal treffen, an einer Hotelbar, entwickelt sich eine zwar völlig fiktive, aber brillante Szene, in der sich schon die Hybris Bojarskis andeutet, die bald zu seiner unweigerlichen Verhaftung führen wird. Ganz nahe kommt Jean-Paul Salomé seiner Hauptfigur zwar nicht, der Charakter des Fälschers bleibt ein Mysterium, doch dank der beiden herausragenden Hauptdarsteller entwickelt sich „Der Perfekte Schein – Der Fall Bojarski“ nach zähem Beginn doch noch zu einem spannenden Psychogramm zweier von ihrem Beruf besessener Figuren. Bojarskis Fälschungen sind übrigens heute noch begehrt und werden zu einem Vielfachen ihres damaligen Nennwertes auf Auktionen versteigert. Später Ruhm für einen Migranten, der von seiner Wahlheimat nie wirklich akzeptiert wurde.

 

Michael Meyns

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