Sinn und Sinnlichkeit

Wieder einmal heißt es im Kino „Sinn und Sinnlichkeit“. Jane Austens Erstlingsroman wird in schöner Regelmäßigkeit verfilmt, ob nun fürs Kino oder fürs Fernsehen, aber doch alle Jahre wieder. Es dürfte also nicht wenige geben, die wenigstens eine frühere Version gesehen haben, wenn nicht gleich mehrere. Und damit stellt sich die Frage nach dem Warum? Die kann man zwar bei Verfilmungen klassischer Romane immer stellen, während aber beispielsweise ein Guillermo del Toro bei seinem „Frankenstein“ moderne Sensibilität einbringt, bleibt Regisseurin Georga Oakley dem Roman sklavisch ergeben. 

 

Über den Film

Originaltitel

Sense and Sensibility

Deutscher Titel

Sinn und Sinnlichkeit

Produktionsland

GB, US

Filmdauer

132 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Tim Bevan, Eric Fellner, India Flint, Jo Wallett

Regisseur

Georgia Oakley

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Starttermin

15.10.2026

 

Nach dem Tod des Vaters und Ehemanns verlieren die Dashwoods ihr Heim, da die Erbfolge das nun mal so vorsieht. Sie ziehen in ein kleines Cottage eines Freundes und leben eher bescheiden. Marianne wird von Colonel Brandon, der Hof gemacht, der leidenschaftslose Mann ist aber so gar nichts, was der Wildfang will. Elinor hat sich wiederum in Edward verliebt, dessen Mutter aber eine gute Partie für ihren Sohn will. Marianne verliebt sich in Willoughby, der dann nach London geht, wo auch Edward ist. Deswegen zieht es Elinor und Marianne in die Großstadt, auf der Suche nach ihrem Glück.

 

Das gibt es dann nicht so, wie erwartet. Nach Irrungen und Wirrungen steht am Ende aber doch noch eine Doppelhochzeit. Ende gut, alles gut, könnte man sagen, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Geschichten von Jane Austen einfach nicht mehr in diese Zeit passen. Sie propagieren das Bild von Frauen, die erst auf das Aussehen und dann auf das Geld achten – oder umgekehrt. Als Marianne aus misslicher Lage „gerettet“ wird, ist ihre Mutter sicher, dass der Gentleman, der sie nach Hause bringt, attraktiv ist (und nobel und nett und alles andere, was vorteilhaft ist). Immer wird ein Idealbild projiziert. Alles andere scheint wie ein Kompromiss, und so erscheint einer der Guten, Colonel Brandon, wie ein hoffnungsloser Langweiler, ist aber eigentlich ein Mann mit Format.

 

Man mag es auf die Jugendlichkeit der Rollen schieben, dass die Liebe immer gleich überbordend ist, die beiden Hauptdarstellerinnen Daisy Edgar-Jones und Esmé Creed-Miles sind dafür aber einen Tick zu erwachsen. Ihre Schwärmerei nimmt man ihnen darum nur bedingt ab. Es mag sein, dass das romantische Flair mit manierlichen Männern, Gentleman-Gehabe und feinen Sitten das ausschlaggebende Merkmal ist, aber letztlich wirkt der Liebesreigen á la Austen etwas verlogen, fast so, als hätte man den heutigen Tradwife-Trend einfach auf das England längst vergangener Zeit übertragen. Sein Publikum wird der Film aber wohl dennoch finden. Es wird sich auch am Geschlechterbild nicht stören, schließlich wurde von vielen die Toxizität in „Wuthering Heights“ als Romantik verklärt. Und so darf auch Jane Austen weiterhin romantisch sein, und das bis zur absoluten weiblichen Selbstverleugnung. 

 

Eigentlich ist es an der Zeit, Jane Austens Werk einzumotten, aber eines ist so sicher wie der Liebesschwur in einer Austen-Geschichte: Die nächste Verfilmung kommt bestimmt. 

 

Peter Osteried

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