3 Türken und 1 Baby

Es überrascht nicht, dass immer mehr deutsche Filme sich auf die ein oder andere Weise mit den Träumen und Nöten von Deutschen mit Migrationshintergrund beschäftigen. Mal auf dramatische Weise wie in "Von glücklichen Schafen", mal auf satirsche wie in "300 Worte Deutsch" oder, wie im Fall von Sinan Akkus"Drei Türken und ein Baby", als Klamotte. Die ist trotz mancher schöner Momente dann auch reichlich brachial geraten.

Webseite: www.3t1b-film.de

Deutschland 2014
Regie, Buch: Sinan Akkus
Darsteller: Kostja Üllmann, Kida Kodr Ramadan, Eko Fresh, Jytte-Merle Böhrnsen, Axel Stein, Frederick Lau
Länge: 98 Minuten
Verleih: Wild Bunch, Vertrieb: Central
Kinostart: 22. Januar 2015
 

FILMKRITIK:

Die drei türkischen Brüder Celal (Kostja Üllmann), Sami (Kida Kodr Ramadan) und Mesut (Eko Fresh) führen in Frankfurt den Brautmodenladen ihrer verstorbenen Eltern. Doch das Geschäft läuft schlecht, zu piefig sind die Räumlichkeiten, zu gering das Verkaufsgeschick der Brüder, und so droht die Pleite. Notgedrungen wird der Familienschatz verkauft, ein paar Goldstücke, die die Eltern in weiser Voraussicht hinterlassen haben. Eigentlich könnte also alles gut werden, doch dann kommt Celal auf die Idee, dass Geld beim Roulette zu verdoppeln – und verliert alles. Seinen Brüdern verheimlicht er das Drama zunächst und versucht mit Notlügen Zeit zu gewinnen.

Zu allem Überfluss müssen sich die Brüder auch noch um ein Baby kümmern: Zufällig hatte Celal seine Ex-Freundin Anna (Jytte-Merle Böhrnsen) getroffen, kurz bevor diese durch einen Autounfall ins Koma fiel. Nur für ein, maximal zwei Tage will er sich notgedrungen um das Baby kümmern, doch es kommt anders. Mehr schlecht als recht verdingen sich die Brüder als Ersatz-Väter, schlagen sich mit Windeln und Babybrei herum und vergessen darüber fast ihre Sorgen. Und während Celal verzweifelt versucht, Geld aufzutreiben, bemüht sich Sami per Antiaggressionskurs, endlich sein aufbrausendes Temperament zu zügeln und eine Frau zu finden, und Mesut hofft auf eine Karriere als Musiker, doch zum Singen kommt er nicht.

Dass der im wirklichen Leben als Rapper Eko Fresch – der hier sein Debüt als Schauspieler gibt – im Film nicht singen darf, zählt schon zu den originellsten Einfällen eines Films, der sich über weite Strecken auf dem Feld der Klamotte bewegt. Kaum ein schlechter Scherz wird ausgelassen, keine Plattitüde verschmäht und dabei das durchaus vorhandene Potenzial der Geschichte weitestgehend verschenkt. Der Charme einer Konfrontation von drei türkischen Brüdern, die kaum für sich selber sorgen können, mit einem hilfsbedürftigen kleinen Wesen ist oft nur eine von vielen Geschichten, die Sinan Akkus erzählen will, ohne das eine der vielen Ebenen wirklich überzeugt.

Allzu oft wirkt "Drei Türken und ein Baby" wie eine lose Aneinanderreihung von Sketchen, von mehr oder weniger komischen Szenen, die sich allerdings nicht zu einem großen Ganzen formen. Zu schade, denn das Thematisieren deutsch-türkischer Befindlichkeiten wäre ein Bereich, der viel Stoff für Geschichten bieten würde. Wie wenig Augenmerk das deutsche Kino (noch) auf diesen Bereich wirft, wird durch den offensichtlichen Mangel an Schauspielern mit deutsch-türkischem oder arabischem Hintergrund deutlich. So gering ist die Auswahl, dass hier neben dem inzwischen oft zu sehenden Libanesen Kida Khodr Ramadan, Musiker Eko Fresh (der seine Sache gut macht), sogar der durch und durch Deutsche Kostja Ullmann als Türke gecastet wird. Trotz eines "Ü" auf dem Nachnamen wird aus Ullmann jedoch beim besten Willen kein Türke, was allerdings auch nicht besonders stört, denn wirklich Einblicke in die Realität deutsch-türkischer Lebenswelten versucht "Drei Türken und ein Baby" gar nicht zu werfen. Doch den Film "Drei Männer und ein Baby" zu nennen war nicht möglich, schließlich heißt so schon das Vorbild eines Films, der sich zwischen alle Stühle setzt, vor allem aber eine Komödie ist, die nicht besonders komisch ist.
 
Michael Meyns