45 Years

Sie spielt seit Jahrzehnten souverän in der Champions-League europäischer Schauspiel-Ikonen. Ein Jahr vor ihrem runden Geburtstag wurde Charlotte Rampling für ihren bravourösen Auftritt in diesem feinsinnigen Kammerspiel (gemeinsam mit Filmpartner Tom Courtenay) mit dem Berlinale-Bären belohnt. Die beiden geben ein altes Ehepaar, dessen Liebe auf eine Bewährungsprobe gestellt wird, als plötzlich eine alte Jugendliebe auftaucht. Eigentlich besteht überhaupt kein Grund zur Eifersucht. Dennoch werden nun die Beziehungskarten neu gemischt – mit weitreichenden Folgen. Eine sorgfältige Dramaturgie, kluge Dialoge, die psychologische Präzision sowie das exzellente Darsteller-Duo sorgen für ein hochkarätiges Szenen einer Ehe-Drama: Ein unaufgeregtes Meisterwerk, das zum ganz großen Liebling der Berlinale avancierte.

Webseite: www.piffl-medien.de

UK 2015
Regie; Andrew Haigh
Darsteller: Charlotte Rampling, Tom Courtenay, Geraldine James, Dolly Wells, Rufus Wright
Filmlänge: 93 Minuten
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 10. September 2015
 

Preise:

Silberner Bär Beste Hauptdarstellerin und Bester Hauptdarsteller für Charlotte Rampling und Tom Courtenay Berlinale 2015

Pressestimmen:

"Ein stiller, unendlich behutsamer Film über Eifersucht und Verdrängung… Ein Film, der einen ganz langsam packt und dann nicht mehr loslässt."
KulturSPIEGEL

"Eine geradezu salomonische Jury hat zusammengelassen, was zusammen gehört. Wie sollte man auch das alte Ehepaar, grandios von Charlotte Rampling und Tom Courtenay gespielt, aus "45 Years" trennen? Sie gehören zusammen, sie spielen wunderbar aufeinander abgestimmt: minimalistisch, mit winzigen Gesten und Blicken, die Vertrautheit einer langen Ehe zeigend, aber auch die Abgründe zwischen ihnen, das Unausgesprochene.
Sie erhielten beide den Silbernen Bären als beste Darsteller, eine absolut unumstrittene Entscheidung."
RBB

„Ganz große Schauspielkunst.“
Süddeutsche Zeitung

„Beeindruckend und bewegend … Großartig, wie Rampling und Tom Courtenay die allmähliche Verwandlung ihrer Figuren darstellen.“
Der Tagesspiegel

FILMKRITIK:

Seit 45 Jahren sind Kate (Charlotte Rampling) und Geoff (Tom Courtenay) ein Ehepaar. So idyllisch ihr Häuschen im Grünen, so harmonisch ist die Beziehung der beiden, die von großer Zärtlichkeit und blindem Vertrauen geprägt ist. Eigentlich sollte schon zum 40-sten Hochzeitstag kräftig gefeiert werden, wegen einer schweren Herzoperation von Geoff wurde das Fest jedoch verschoben. Mitten in die Vorbereitungen platzt ein Brief aus der Schweiz. In einem Gletscher wurde die Leiche einer Frau gefunden, mit der sich Geoff vor 50 Jahren auf eine Bergtour begeben hatte. Die Nachrichte wühlt den Rentner sichtlich auf – was dessen Gattin natürlich nicht lange verborgen bleibt. Was hat es mit dieser Frau auf sich? Warum hat Kate nie etwas von ihr erfahren? Geoff hatte durchaus gute Gründe. Doch je zögerlicher ihr Mann von seiner Vergangenheit erzählt, desto mehr wachsen bei der Ehefrau Zweifel und Misstrauen. War die mysteriöse Vorgängerin die ganz große Liebe und sie selbst nur die zweite Wahl? Ein überraschender Fund auf dem Dachboden lässt das Weltbild von Kate gehörig ins Wanken geraten – unterdessen läuft der Countdown für die große Jubiläumsfeier unerbittlich. Endet das Fest im Fiasko oder mit einer Versöhnung? Die Antwort bleibt bis zur letzten Minute höchst spannend!
 
Regisseur Andrew Haigh („Weekend“) unterteilt sein intimes Kammerspiel in die Kapitel von sechs Wochentagen. Zunächst justiert er sehr präzise den beschaulichen Alltag dieses rundum sympathischen Ehepaares. Fast unmerklich zieht er die psychologischen Schrauben dann immer mehr an. Anfängliche Neugier wandelt sich bei der pensionierten Lehrerin Kate zu eifersüchtigem Misstrauen auf jene Jugendfreundin, die fast denselben Namen wie sie trägt und ihr nicht unähnlich sieht. Der gutmütige Geoff reagiert verlegen, zum einen scheint ihm diese Sache, die 50 Jahre zurückliegt, peinlich, zugleich wirkt er immer faszinierter von dieser Vergangenheit. Das kinderlose Paar sucht immer wieder das gemeinsame Gespräch. Enttäuschte Gefühle, verschrammtes Vertrauen sowie unbeabsichtigte Verletztheiten lassen sich freilich nicht ganz so einfach wegdiskutieren. Letztlich geht es um das Eingemachte: Kann man von der Vergangenheit so sehr eingeholt werden, dass man die Gegenwart aufs Spiel setzt? War das vermeintliche Glück und die Liebe nur eine Illusion? Was tut man nach 45 Ehejahren in einer bedrohlichen Beziehungskrise?
 
Haigh entwickelt sein behutsames Seelendrama mit souverän subtiler Dramaturgie sowie enormer emotionaler Präzision. Wie bei einer Zwiebel legt er die Gemütslagen seiner Akteure immer mehr frei – und findet dabei sogar noch Raum für britischen Humor. Mit Rampling und Courtenay hat er ein ideales Traumpaar für diese ambitionierte Konzeption. Zwischen den beiden stimmt nicht nur die Chemie perfekt, sie spielen die geballte Erfahrung ihres langen Schauspiellebens (Courtenay wirkte einst schon in „Doktor Schiwago“ mit!) mit eleganter Leichtigkeit und grandioser Präsenz aus. Da genügt ein winziger Blick, ein kurzes Zucken Geste oder die leicht veränderte Tonlage, um ganze Gefühlswelten zwischen Stolz und Angst glaubhaft zu machen.
 
„Irgendwann verlieren wir unsere Fähigkeit, wichtige Entscheidungen zu treffen“, sagt Geoff bei seiner feierlichen Rede zum Hochzeitstag. Über die getroffene Entscheidung des Paares lässt sich auch nach dem Abspann noch trefflich plaudern.  
 
Dieter Oßwald