66/67 – Fairplay war gestern

Fußball ist zwar die beliebteste Sportart der Welt, als Thema fürs Kino ist er dennoch erstaunlich selten benutzt worden. Auch der neue Film des Regisseurduos Ludwig & Glaser ist weniger ein Film über Fußball,als über sechs Männer um die 30, die unter anderem auch Fußballfans sind. Ein Generationenporträt also, stark gefilmt, meist sehr atmosphärisch, mit bisweilen unterentwickelten Figuren.

Webseite: www.farbfilm-verleih.de

Deutschland 2008, 106 Minuten
Regie: Ludwig & Glaser
Drehbuch: Carsten Ludwig, Jan-Christian Glaser
Kamera: Ngo The Chau
Schnitt: Sarah Levine
Musik: Dirk Dresselhaus
Darsteller: Fabian Hinrichs, Christoph Bach, Melika Foroutan, Maxim Mehmet, Fahri Ogün Yardim, Christian Ahlers
Verleih: farbfilm Verleih
Kinostart: 19. November 2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Vielleicht liegt es an der geschlossenen Form eines Fußballspiels selbst, dass Fußballfilme eine Seltenheit sind, von guten Fußballfilmen ganz zu schweigen. Im besten Fall ist Fußball fast schon Theater: Der Platz als Bühne, die zwei Halbzeiten als Akte, Helden und Antagonisten. So berauschend Fußballspiele auch sein können, in eine dramaturgische Form gezwängt verliert das Spiel leicht seinen Reiz. Vielleicht auch aus diesen Gründen verzichten Carsten Ludwig und Jan-Christian Glaser in ihrem zweiten gemeinsamen Film komplett auf Szenen des eigentlichen Fußballspiels.

Ihre sechs Helden sind zwar so große Fans von Eintracht Braunschweig, dass sie sich eine 66/67 – die Spielzeit der einzigen Meisterschaft des Vereins – auf die Brust haben brennen lassen, aber zu den Spielen gehen sie kaum. Vielleicht ging es früher um das Spiel selbst, inzwischen ist es nur noch Anlass für Schlägereien und loser Zusammenhalt einer sich in Auflösung befindlichen Clique. Verzweifelt versuchen der Anführer Florian (Fabian Hinrichs) und Otto (Christoph Bach), die Gruppe am Leben zu erhalten. Immer kleiner ist sie im Laufe der Jahre geworden, immer mehr Freunde sind ausgestiegen, haben eine Ausbildung gemacht, mit dem richtigen Leben begonnen. Doch die Pläne fürs Leben zerrinnen, wie vor allem der etwas beleibte Christian (Christian Ahlers) erfahren muss. Ganz genau geplant hatte er sein Leben mit der Freundin Mareille, doch ausgerechnet beim Heiratsantrag im Stadion gibt sie ihm den Laufpass. Umso aggressiver ist er bei der nächsten Prügelei dabei, doch selbst die Lust an Schlägen verschafft den orientierungslosen jungen Männern keinen Halt mehr.

Was in gewisser Weise auch für den Film gilt. Vordergründig geht es zwar um Hooligans, um organisierte Schlägereien anlässlich eines Fußballspiels, doch eine wirkliche Analyse der Ursachen und Wirkungen des Hooligantums findet nicht statt. Oft verzettelt sich der Film in seinen vielen Schauplätzen und Figuren, reißt hier noch ein Thema an, gibt da einer Figur plötzlich eine vorher nie angedeutete Dimension. Dazu agieren die jungen Schauspieler nicht immer überzeugend, wirkt ihre zur Schau gestellte Härte bisweilen forciert und unglaubwürdig. Zusammengehalten wird „66/67“ letztlich von seiner Atmosphäre, besonders den starken Breitwand-Bildern des Kameramanns Ngo The Chau. Der schafft es immer wieder, eine mitreißende Stimmung zu evozieren, die über manche Schwäche hinwegsehen lässt. Der deutsche Fußballfilm jedenfalls ist mit diesem Film noch lange nicht ausgereizt.

Michael Meyns

.