Beti and Amare

Wenn jemand für gerade einmal 14.000 Euro einen Film dreht, nötigt das zunächst einmal Respekt ab, erst recht wenn dieser Film 1936 in Äthiopien spielt und Science-Fiction/ Fantasy-Elemente enthält. Das Ergebnis dieses ehrenwerten Versuchs heißt "Beti und Amare", ist fraglos ambitioniert, kann seine beschränkten Mittel allerdings meist nicht kaschieren.

Webseite: www.aries-images.de

Deutschland 2014
Regie, Buch: Andy Siege
Darsteller: Hiwot Asres, Pascal Dawson, Atrsaw Wisenbet, Biniam Kore, Yonas An Kidane, Andy Siege
Länge: 94 Minuten
Verleih: Aries Images
Kinostart: 14.April 2016
 

FILMKRITIK:

1936, Äthiopien. Mussolinis Truppen sind in dem ostafrikanischen Land einmarschiert und zwingen auch die junge Beti (Hiwot Asres) ihr Dorf zu verlassen, um bei ihrem Großvater (Atrsaw Widenbet) Unterschlupf und vor allem Sicherheit zu finden. Doch dieses Vorhaben erweist sich als schwierig, denn nicht nur einheimische Milizionäre, sondern auch versprengte italienische Soldaten bedrohen das Mädchen. Rettung scheint ein Wesen Namens Amare (Pascal Dawson) zu bieten, das eines Tages nackt vom Himmel fällt, nicht sprechen kann, aber dafür zwei ausgeprägte Reißzähne besitzt. Bald entwickelt sich zwischen Beti und Amare eine ungewöhnliche Freundschaft, beschützt das fremde Wesen die Einheimische mit blutigen Folgen.

Als Sohn von Entwicklungshelfern verbrachte Andy Siege weite Teile seiner Kindheit in Ostafrika, worin seine Faszination für die Kultur und Traditionen Afrikas begründet liegt, aber auch ein Interesse an den vielfältigen Problemen des Kontinents. Wozu auch sexuelle Gewalt gegen Frauen zählt, die gerade in Kriegszeiten noch zunimmt. Vielleicht ein Grund, warum "Beti und Amare" Mitte der 30er Jahre angesiedelt ist, denn abgesehen von einigen sporadisch eingefügten Dokumentaraufnahmen aus der Zeit, könnte der Film auch heute spielen. Eine bewusste Unbestimmtheit, die sich durch sämtliche Aspekte des Films zieht: Anklänge eines Historienfilms sind zu erkennen, Science-Fiction/ Fantasy Elemente kommen vor allem in Gestalt des Außerirdischen Wesens Amare hinzu, der allerdings auch Ausgeburt von Betis Fantasie sein könnte, die sich hierdurch psychologisch von den Folgen einer Vergewaltigung zu schützen sucht, von der nicht klar ist, ob sie wirklich statt gefunden hat.

Viele Interpretationsmöglichkeiten lässt Andy Siege in seinem selbst finanzierten, in bester Do-it-yourself-Manier gedrehtem Film offen (neben Buch und Regie zeichnet Siege auch noch für Kamera und Schnitt verantwortlich und spielt auch noch eine kleine Rolle), was "Beti und Amere" mal interessant vielschichtig, dann aber auch unbefriedigend vage wirken lässt. Nicht immer hat man den Eindruck, dass der Regisseur wirklich weiß, was er erzählen will und vor allem, wie er dies mit filmischen Mitteln ausdrücken kann. Häufig wechselt er etwa zwischen schwarzweiß und farbigen Bildern, eine extreme stilistische Entscheidung, die schnell willkürlich wirkt.

Dass er narrativ zudem das oft verwendete Klischee vom fremden, unweigerlich weißen Mann bedient, der nach Afrika kommt und die schwarze Frau vor einer Bedrohung rettet, ist bedauerlich. Ambitioniert ist Andy Sieges Debütfilm ohne Frage, mit seinen vielfältigen Elementen, seiner weitreichenden Geschichte geradezu überbordend vor Ansätzen, die dem Regisseur aber immer wieder außer Kontrolle geraten. Ein interessantes Projekt ist "Beti und Amare" in jedem Fall, wirklich gelungen ist es aber nur in Momenten.
 
Michael Meyns