Das letzte Land

Science Fiction aus deutschen Landen gibt es selten. Marcel Barion hat mit seinem Debütwerk aber genau das getan – einen Science-Fiction-Film abgeliefert, der mit minimalen Mitteln umgesetzt wurde, aber dennoch bis zur letzten Minute packend ist. Er erzählt von zwei Menschen in einem kleinen Raumschiff, die in den Weiten des Alls nach einer neuen Heimat suchen, sich aber über den Kurs nicht einig werden können. Düster, dreckig und mit klaustrophobischer Stimmung präsentiert sich „Das letzte Land“ als bemerkens- und sehenswerte Geschichte.

Website: https://www.dasletzteland.de/info.html

Deutschland 2019
Regie: Marcel Barion
Buch: Marcel Barion
Darsteller: Torben Föllmer, Milan Pesl
Länge: 113 Minuten
Verleih: Drop-Out
Kinostart: 3. Dezember 2020

FILMKRITIK:

Auf einem Planeten, der nur noch Ödland ist, begegnen sich zwei ungleiche Männer – in einem Raumschiff, das der eine für ein Wrack, der andere für funktionstüchtig hält. Es ist ihre Chance, diese Welt zu verlassen, auf der ihnen nichts mehr geboten ist. Sie beschließen, mit dem Raumschiff ins All aufzubrechen. Einer von beiden durchsucht das Logbuch und erfährt, was der Besatzung zugestoßen ist. Er findet aber auch Hinweise darauf, wohin dieses Schiff wollte. Eine neue Heimat, in der sie alles haben, was es auf ihrem öden Planeten nicht gibt. Doch die beiden Reisenden sind uneins. Einer glaubt, der vorgegebene Kurs führt zu einer neuen Heimat, der andere glaubt, der umgekehrte Kurs führt zum Ziel.

Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung des Films verging mehr als ein Jahrzehnt. „Das letzte Land“ wurde als No-Budget-Produktion begonnen. Im Verlauf der Entstehung musste man auch auf Crowdfunding setzen, während Marcel Barion, der als Autor und Regisseur die treibende Kraft dieses Projekts ist, in all der Zeit zielstrebig an der Umsetzung seiner Vision gearbeitet hat. Er hat es sich dabei schwerer gemacht, als nötig, aber das sieht man dem Film auch an. Keineswegs wollte er auf computergenerierte Raumschiffe und Effekte setzen. Barion ist ein Bewunderer der Modelltechnik, wie sie gerade zu Beginn der 1980er Jahre perfektioniert wurde. Entsprechend sind die Raumschiffmodelle hier auch echt. Ein Umstand, den man dem Film auch ansieht. Er wirkt dadurch größer und wertiger.

Für das Innere des Cockpits setzte Barion auf Schmutz, auf Düsternis, auf ein durchaus deprimierendes Umfeld, das illustriert, wie sich die beiden Hauptfiguren fühlen, die in ihrem Leben kaum Musik kannten, Frauen zum letzten Mal sahen, als sie Teenager waren, und mit dem Leben schon abgeschlossen haben, bis sich ihnen mit diesem Raumschiff die Chance auf eine neue Heimat und eine bessere Existenz erschloss.

„Das letzte Land“ wäre aber nicht so gut wie er ist, wenn nicht das Skript mit seiner existenzialistischen Geschichte und die beiden Hauptdarsteller Torben Föllmer und Milan Pesl, die bislang vor allem auf der Bühne aktiv waren, wären. Denn sie sind es, die diesen Film wirklich lebendig werden lassen. Die Geschichte hat Gravitas, weil sie sich mit den großen Themen befasst. Der Suche nach einer Heimat, dem Erkennen des eigenen Ichs, dem Träumen von einem besseren Leben. Die Schauspieler wiederum haben das authentisch und überzeugend umgesetzt.

Der auf mehreren Festivals gefeierte Science-Fiction-Film ist ein Kammerspiel, das von seiner klaustrophobischen Stimmung, seiner Intensität, seinem dichten Spannungsfeld auf Melancholie und manischer Obsession getragen wird. Ein eindrucksvoller Film, der zeigt, dass Science Fiction mit geringen Möglichkeiten, aber großer Vision auch hierzulande möglich ist.

Peter Osteried