Erik im Land der Insekten

(Erik of het klein insectenboek)
Niederlande 2004
Regie: Gidi van Liempd
Drehbuch: Cecilie Levy
nach einem Kinderbuch von Godfried Bomans
Darsteller: Jasper Oldenhof, Anne-Mieke Ruyten, Jaak Van Assche
Filmverleih: atlas intermedia
Länge: 95 Minuten
Kinostart: 12.01.2006

Mit seiner Mischung aus Wissensvermittlung und absurdem Vergnügen ist „Erik im Land der Insekten“ ein klassisch inszenierter Kinderfilm, der auf Computeranimationen vollständig verzichtet. Basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Godfried Bomans erlebt der 10-jährige Erik ein unglaubliches Abenteuer in der Insektenwelt. Auf Raupengröße geschrumpft, stellt der Schüler fest, dass die kribbligen Kleintiere gar nicht so langweilig sind wie er immer dachte.

In Lewis Carrolls zauberhaftem „Alice im Wunderland“ brauchte die junge Titelheldin im Jahre 1865 eine Kaninchenhöhle, um in ihre fantastische Märchenwelt zu entschwinden. Ihrem niederländischen Kollegen Erik reicht heutzutage ein großes Gemälde. Für eine Nacht auf Insektengröße reduziert, entflieht der Bub in einen „Mikrokosmos“ für Kinder, in dem er allerlei turbulente Abenteuer erlebt.

Die Schule ist langweilig und ätzend. Ganz besonders dann, wenn man öde Hausaufgaben zu erledigen hat. Ausgerechnet über die winzigen, kribbligen und belanglosen Insekten soll Erik (Jasper Oldenhof) morgen vor der ganzen Klasse einen Vortrag halten. Allein ihm fällt nichts gescheites ein. Erst als er auf dem Dachboden seines Großvaters das Gemälde einer saftigen Blumenwiese erspäht, kommt seine Kreativität in Schwung. Da  geschieht das Unfassbare: Das Bild entwickelt urplötzlich ein Eigenleben und Erik fällt mitten hinein in die bunte Insektenwelt. Auf einer Augenhöhe mit Mücken, Schmetterlingen und Ameisen kommt er den fremden Wesen langsam näher.

Wie in Carrolls „Alice im Wunderland“ stecken Eriks Abenteuer im Land der Insekten ebenso voller Absurditäten. So trifft der wissbegierige Bursche auf seiner mühsamen Reise eine golfspielende Wespe, zieht in ein löchriges Schneckenhaushotel ein und benutzt Glühwürmchen als Taschenlampen. Neben aller Spielerei streut der niederländische Regisseur Gidi van Liempd unterschwellig aber auch viele wissenswerte Informationen in seine fantastische Geschichte ein. Unaufdringlich klärt er über die Lebensweisen der unterschiedlichsten Insekten auf. Einen besonderen Schwerpunkt legt er dabei auf die Begriffe „Instinkt“ und „Verstand“, die eine zentrale Rolle spielen und mehrfach illustriert werden. Dabei greift van Liempd zwischenzeitlich sogar auf Zitate von Charles Darwin und Leonardo Da Vinci zurück, ohne jedoch das junge Publikum zu überfordern.

Besonders plastisch wird die Geschichte allerdings immer erst dann, wenn die Gefahren dargestellt werden, die in der Insektenwelt lauern. Und das sind wahrlich nicht bloß gefräßige Spinnen oder gehässige Käfer. Für ein Lebewesen das kaum ein paar Millimeter groß ist, wird jeder Regentropfen zu einem bedrohlichen Geschoss. Und wenn ein Mensch ganz unbedacht über eine Wiese läuft, gerät das für viele Krabbler zu einer überraschenden Naturkatastrophe.

Mit seiner Mischung aus Wissensvermittlung und absurdem Vergnügen ist „Erik im Land der Insekten“ ein klassisch inszenierter Kinderfilm, der auf Computeranimationen vollständig verzichtet. Gidi van Liempd steckt seine Darsteller vielmehr in klobige Kostüme, aus denen nicht immer gleich deutlich wird, welches Tier sie darstellen sollen. Aber darauf kommt es – einer Schultheateraufführung ähnlich – gar nicht an. Die grundlegende Botschaft, selbst den kleinsten Kreaturen Anerkennung und Respekt zu zollen wird auch so beim angestrebten Publikum im jungen Grundschulalter ankommen.

Oliver Zimmermann