Fair Traders – Three Stories of Ethical Business

Auf den ersten Blick unspektakulär, aber dafür umso eindringlicher: Es geht um drei erfolgreiche Geschäftsleute in Deutschland und in der Schweiz, die ihre Vision vom gerechten Unternehmertum mit Leben erfüllen. Nino Jacusso zeigt in seinem spannenden Dokumentarfilm eine Alternative zum Turbokapitalismus: mehr Menschlichkeit, weniger Gewinnmaximierung. Wie seine Protagonisten diesen Balanceakt bewältigen, ist ebenso ein Thema wie ihre eigenen Biographien, die von Krisen und Rückschlägen gezeichnet sind. Ein Film, der Mut macht für Veränderungen.

Webseite: www.realfictionfilme.de

Dokumentarfilm
Schweiz 2018
Regie und Buch: Nino Jacusso
89 Minuten
OmU (Originalsprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch, Englisch, Swahili, Hindi)
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 28. März 2019

FILMKRITIK:

Sina Trinkwalder, Patrick Hohmann und Claudia Zimmermann sind Unternehmerpersönlichkeiten im besten Sinne des Wortes. Obwohl sie in vollkommen unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen tätig sind, haben sie eines gemeinsam: Sie wollten sich ihren Traum von einem anderen, gerechteren Leben erfüllen. Sina Trinkwalder war Leiterin einer Werbeagentur und wollte gemeinsam mit Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt angeblich keine Chance haben, umweltfreundlich und regional Verbrauchsgüter produzieren. Ohne jede Unterstützung startete sie in eine ungewisse Zukunft und investierte dafür ihr gesamtes privates Vermögen. Heute ist sie die vielfach preisgekrönte Chefin eines Textilbetriebes in Augsburg. Patrick Hohmann war Baumwollhändler in der Schweiz und wurde zum Pionier in der Produktion von Bio-Baumwolle. Claudia Zimmermann war Erzieherin und stieg auf Biolandwirtschaft um. Heute betreibt sie in einem winzigen Dorf in der Schweiz gemeinsam mit ihrem Ehemann einen großen Bauernhof mit angeschlossenem Hofladen. Drei vollkommen unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen, mit unterschiedlichem Hintergrund und großen Plänen, deren Betriebe international, national bzw. regional arbeiten. Alle haben demselben Anspruch: andere Wege zu gehen, die eingetretenen Pfade zu verlassen. Sie wollen gerechte Löhne zahlen, naturnah und nachhaltig produzieren und dabei die Umwelt schonen. Vor allem aber möchten sie ihre Vorstellungen von einem gemeinschaftlichen Miteinander verwirklichen. Angesichts von Umweltproblemen, wachsender sozialer Ungerechtigkeiten und rücksichtsloser Ausbeutung von Ressourcen haben sich diese drei Menschen entschlossen, die Sicherheit ihres geregelten Lebens gegen das Wagnis eines Experiments zu tauschen.
 
Der Schweizer Nino Jacusso stellt die Drei vor, lässt sie ihre persönlichen Geschichten erzählen und begleitet sie bei ihrer Arbeit. Wechselnde Schauplätze bringen Tempo und Spannung in den Film, der sehr eindeutig Partei für eine Politik der Fairness in Produktion, Handel und Dienstleistung nimmt. In den Porträts der sympathischen Protagonisten wird schnell deutlich, wie sie gegen vielfältige Herausforderungen bestehen müssen, die ihren Idealismus stark strapazieren. Risikobereitschaft, Mut und Idealismus allein genügen nicht, es gehört jede Menge Geduld, Toleranz und Ausdauer dazu, sich dem Kostendruck und den Problemen von innen und außen zu stellen. Diese Menschen haben sich mit vollem Bewusstsein dafür entschieden, den Weg des größten Widerstands zu gehen. Sie haben sich oftmals gegen Regierungen, Banken, Konkurrenten und manchmal gegen die eigene Familie behaupten müssen. Den Global Player Patrick Hohmann zeigt Nino Jacusso in Tansania und in Indien gemeinsam mit seinen einheimischen Partnern. Der weltläufige Schweizer wirkt nicht wie ein alternativer Unternehmer, erst wenn er über seine Visionen redet, spürt man, wie sehr er seinen Projekten verbunden ist. In Indien gibt es noch viele Probleme bei der Umsetzung seines Konzepts einer sozialverträglichen, umweltfreundlichen und gentechnikfreien Produktion von Bio-Baumwolle, während in Tansania bereits deutliche Fortschritte erkennbar sind. Sina Trinkwalder wirkt gegen den ruhigen Schweizer wie ein Temperamentsbündel. Ihr Anspruch war es, arbeitslosen Menschen eine Chance zu geben, und nun muss sie entdecken, dass einige aus dem Team sie hintergehen und ihr Vertrauen missbrauchen. Wie sie mit dieser neuen Schwierigkeit umgeht, hat viel mit ihrer Persönlichkeit zu tun: eine taffe, sehr pragmatische Frau, die trotzdem ihre Visionen behalten hat. Ohne Fachwissen startete sie seinerzeit ihre Textilproduktion Made in Germany – vom Faden über den Stoff bis zum Knopf alles aus regionaler Erzeugung. Die erfolgreiche Unternehmerin und Buchautorin, die auch als Rednerin gefragt ist, ist inzwischen Expertin darin, Lösungen zu finden und dabei sowohl sich selbst als auch ihr Team immer wieder zu motivieren. Gegen diese beiden und ihre alltäglichen Sorgen und Probleme wirkt Claudia Zimmermanns Bio-Bauernhof wie eine alpenländische Idylle – und ist es wahrscheinlich auch. Obwohl sie beinahe Tag und Nacht arbeitet, ist sie hier deutlich glücklicher als in ihrem früheren Leben.
 
Drei Menschen, drei Schicksale, drei verschiedene Wege, die Mut machen. Mut zur Veränderung, Mut zum Widerspruch. Gerade für junge Leute, wobei auch ältere Schülerinnen und Schüler eingeschlossen sind, dürfte der Film interessant sein in seinem optimistischen Streben nach gerechteren Produktions- und Arbeitsbedingungen überall auf der Welt.
 
Gaby Sikorski