Fallen – Engelsnacht

Als die US-Autorin Lauren Kate 2009 ihren Fantasyroman „Engelsnacht“ vorlegte, avancierte das Buch rasch zum Bestseller. Eine Verfilmung der inzwischen vierbändigen „Fallen“-Reihe war also nur eine Frage der Zeit. Mit Scott Hicks, dem Macher von „Shine – Der Weg ins Licht“ und „Hearts in Atlantis“, wurde ein talentierter Regisseur für das Vorhaben verpflichtet, doch das schwache Drehbuch kann selbst ein profilierter Filmemacher nicht wegzaubern. So macht das Schicksal der Teenagerin Lucinda Price, die ihr Herz an einen gefallenen Engel verliert, kaum neugierig auf den möglichen Fortgang der Saga.

Webseite: www.wildbunch-germany.de

USA, Ungarn 2016
Regie: Scott Hicks
Drehbuch: Michael Arlen Ross, Kathryn Price & Nichole Millard nach dem Roman von Lauren Kate
Darsteller: Hermione Corfield, Addison Timlin, Jeremy Irvine, Lola Kirke, Joely Richardson, Daisy Head, Juliet Aubrey
Laufzeit: 91 Min.
Verleih: Wild Bunch/Central
Kinostart: 13. Juli 2017

FILMKRITIK:

Langsam aber stetig geht dem Boom der Young-Adult-Fantasy die Puste aus. Was vom „Harry Potter“-Franchise (2001-11) und der „Twilight“-Saga (2008-12) ausgelöst und von der „Tribute von Panem“-Reihe (2012-15) befeuert wurde, lässt das Publikum inzwischen vermehrt kalt. Groß angelegte Reihen wie „Chroniken der Unterwelt“ oder „Die Bestimmung“ wurden sogar verfrüht eingestellt. Ein Schicksal, das auch „Fallen – Engelsnacht“ ereilen könnte. Schon der Umstand, dass der bereits 2014 abgedrehte Auftakt der Jugendfantasy-Reihe erst jetzt in den Kinos startet, spricht Bände.
 
Die 17-jährige Schülerin Lucinda Price (Addison Timlin) landet – natürlich unbescholten – in der strengen Erziehungsanstalt „Sword & Cross“, die wie ein Spukschloss im herbstlich vernebelten Wald steht. Sofort fallen der Teenagerin die Mitschüler Cam und Daniel (Harrison Gilbertson & Jeremy Irvine) ins Auge. Der Draufgänger Cam macht Lucinda unverblümt den Hof, der attraktive Daniel zeigt ihr hingegen die kalte, nichtsdestotrotz entzückende Schulter. Das weckt Lucindas Neugier, die immer mehr vom Gefühl beschlichen wird, den mysteriösen Daniel zu kennen. Und bald kommt raus, dass Cam und Daniel in Wahrheit gefallene Engel sind.
 
Weil er sich nicht zwischen Gott und Luzifer entscheiden wollte, wandelt Daniel als Unsterblicher auf Erden. Ein Fluch zwingt ihn, sich immer wieder in Reinkarnationen von Lucindas Seele zu verlieben – um immer wieder zu leiden, wenn die Geliebte nach dem ersten Kuss das Zeitliche segnet. Wie bei Kristen Stewart und Robert Pattinson gilt also: Küssen verboten!
 
Die Konstellation mit der menschlichen Frau zwischen zwei übernatürlichen Wesen übernimmt „Fallen“ 1:1 aus der „Twilight“-Reihe. Doch während Regisseurin Catherine Hardwicke („Dreizehn“) den Auftakt der Vampir-Schmonzette als gelungenes, visuell interessantes Jugendabenteuer adaptierte, verwirrt „Fallen“ das Publikum mit uneleganten Computereffekten, wenn sich die Engel wie Superhelden am Himmel prügeln, und einem unausgegorenen Erzählrhythmus. Der Anfang wirkt zerdehnt, das Finale hastet wie im Schnellvorlauf durch den konfusen Plot, der etliche Drehbuch-Klischees anhäuft, wenn im Internat zum Beispiel eine thematisch passende Unterrichtsstunde stattfindet. Schauspielerisch überzeugt am ehesten die aus „Warte, bis es dunkel wird“ bekannte Addison Timlin, während Harrison Gilbertson („Need for Speed“) und Jeremy Irvine („Gefährten“) ziemlich blass bleiben. Am Ende dürfte die Fantasy-Liebelei höchstens Leserinnen und Leser des Romans locken.
 
Christian Horn