Gregs Tagebuch – Böse Falle

Zur vierten Verfilmung der erfolgreichen Buchreihe „Gregs Tagebuch“ schlüpft ein neuer Hauptdarsteller in die Rolle des Teenagers Greg, der an sich, dem Leben und seiner Familie leidet. Diesmal führt Gregs Abenteuer auf einen ausufernden Roadtrip durch Amerika, der als Versuch gedacht ist, den Familienzusammenhalt zu stärken.  Was auf ganz andere Weise als geplant gelingt.

Webseite: www.Gregstagebuch4-derFilm.de

OT: Diary of a Wimpy Kid – The Long Haul
USA 2017
Regie: David Bowers
Buch: David Bowers & Jeff Kinney, nach dem Buch von Adam Sztykiel & Jeff Kinney
Darsteller: Jason Drucker, Alicia Silverstone, Tom Everett Scott, Charlie Wright, Alexa Blair Robertson, Owen Asztalos
Länge: 90 Minuten
Verleih: FOX
Kinostart: 1. Juni 2017

FILMKRITIK:

Der zwölfjährige Greg (Jason Drucker) hat es nicht leicht: Nicht nur mit seinen Eltern Susan (Alicia Silverstone) und Frank (Tom Everett Scott) muss er sich rumschlagen, auch sein vier Jahre älterer Bruder Rodrick (Charlie Wright) nervt meistens und zu allem Überfluss hat Greg auch noch unerfreuliche Berühmtheit erlangt: Im Internet kursiert ein Video, auf dem er aus Versehen in eine schmutzige Windel greift! Ein soziales Desaster für jedes zeitgemäße Kind, das seine Zeit fast vollständig vor diversen Bildschirmen und in den unterschiedlichsten sozialen Netzen verbringt.
 
Genau das stört die auf gesundes Leben, gesunde Ernährung, gesunde Luft bedachte Susan, die daher einen ausufernden Roadtrip geplant hat: Anlässlich des runden Geburtstages der Großmutter soll die ganze Familie gemeinsam mit dem Auto durch das Land touren. Ganze vier Tage und vor allem: Ohne Handys! Nicht nur für die Teenager eine geradezu höllengleiche Strafe, auch Frank kann nicht vom Handy lassen, was die Erziehungsmaßnahmen Susans irgendwie unterläuft.
 
Doch nicht nur die Frage nach dem Handykonsum begleitet die Familie auf ihrer Reise, allerlei bizarre Abenteuer erleben Greg und seine Angehörigen bis sie sich am Ende tatsächlich in eine eingeschworene Gemeinschaft verwandelt haben.
 
Drei Verfilmungen der erfolgreichen Buchreihe „Gregs Tagebuch“ gab es bislang, doch inzwischen ist der ehemalige Hauptdarsteller Zachary Gordon aus der Rolle heraus gewachsen. So übernimmt nun Jason Drucker den Part des altklugen, an der Welt und seiner Familie verzweifelnden Teenagers, und auch der Rest der Familie ist neu besetzt. Als Mutter ist nun der ehemalige Teeniestar Alicia Silverstone zu sehen, die einst in „Clueless“ eine Art weibliche Version Gregs spielte und nun der Anker der Vernunft ist. Allzu moralisch kommt David Bowers Film allerdings nicht daher, im Zweifelsfall wählt der Regisseur den Ausweg in brachiale Komik, spart nicht an Fäkalhumor und Momenten extremen Fremdschämens.
 
Auf oberflächliche Weise ist das leidlich amüsant, auch wenn man gerne mehr Momente subtileren Humors gesehen hätte, die sich durchaus auch finden: Besonders in Gestalt des älteren Bruders Rodrick, eine unverkennbar an Keanu Reeves legendären Slacker Bill angelehnte Figur von ausgesprochener Dämlichkeit und Selbstüberschätzung. Vor allem durch ihn ist „Gregs Tagebuch – Böse Falle“ in manchen Momenten von angenehm anarchischen Geist durchzogen, werden die Absurditäten des Familienlebens im allgemeinen und des Teenagerseins im besonderen ad absurdum geführt, auch wenn am Ende dann doch eine heile, geradezu heimelige Familie beschworen wird.
 
Michael Meyns