Hiwwe wie Driwwe – Amerikaner sprechen deutsch

Vor ca. 300 Jahren flüchteten viele Pfälzer vor politischer Verfolgung und auch aus wirtschaftlichen Gründen in die USA und siedelten hauptsächlich in und um Pennsylvania. Dabei brachten sie auch ihre Sprache und Kultur mit in die Neue Welt. Beides hat sich in weiten Teilen bis heute erhalten. So sprechen in Amerika bis heute Menschen ihre Variante des pfälzischen Dialekts: das so genannte Pennsylvania Dutch. Im Dokumentarfilm „Hiwwe wie Driwwe“ von Benjamin Wagener und Christian Schega geht der in Pennsylvania geborene und aufgewachsene Douglas Madenford auf eine Spurensuche durch seine Heimat und durch die Pfalz. Doug trifft dabei auf viele Menschen und erfährt, was von der pfälzischen Sprache und der Kultur in Amerika noch übrig ist und wie sie sich „hiwwe wie driwwe“, hier in Deutschland und drüben in Amerika, entwickelt hat.

Webseite: www.hiwwewiedriwwe.com

Deutschland / USA 2019
Regie: Benjamin Wagener und Christian Schega
Darsteller: Douglas Madenford, Dr. Michael Werner, Christian „Chako“ Habekost, uvm.
Filmlänge: 91 Minuten
Verleih: Schega-Wagener GbR
Kinostart: 18.04.2019

FILMKRITIK:

„Wellkum uff de premier“, heißt es ganz stilecht bei der Uraufführung des Dokumentarfilms „Hiwwe wie driwwe – Pfälzisch in Amerika“ im Universum-Kinocenter in Landau. Der große Kinosaal ist ausverkauft. Die Zuschauer erfahren viel Neues – nicht nur über ihre Heimatsprache. Nur in den vordersten Reihen bleiben noch ein paar reservierte Sitze frei, ansonsten sind die 569 Plätze im Universum 3, dem immerhin größten Kinosaal in der Südpfalz, komplett belegt. Damit niemandem, der „Hiwwe wie driwwe“ gleich am Premierentag sehen will, die Möglichkeit dazu versagt bleibt, wird kurzfristig eine Zusatzvorstellung im nächstkleineren Universum 2 anberaumt. Etwa 750 Besucher, darunter zahlreiche Mitwirkende und Gäste der Filmemacher, zählt Christian Schega am Ende insgesamt.

Die Premiere in Landau ist nur der Auftakt einer umfangreichen Kinotour durch die Region mit Vorstellungen in Anwesenheit der Filmemacher oder einzelner Mitwirkender. „Hiwwe wie driwwe“ wird so etwa in Kaiserslautern, Mannheim, Worms oder Saarbrücken zu sehen sein, dazu läuft er am 27. April beim jungen Mainzer Arc-Filmfestival.

„Ich bin arg froh, do zu sei“, freut sich vor der Leinwand der eigens aus Pennsylvania angereiste Douglas Madenford auf original Pennsylvania Dutch, jener Sprache, mit der er auch durch den Film führt. Frühe deutsche Siedler aus der Pfalz, der Kurpfalz, Rheinhessen und Baden hatten sie zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert nach Amerika mitgebracht, wo sie, erweitert um viele englische Begriffe, heute noch von derzeit etwa 400.000 US-Bürgern gesprochen wird.

Das „Pennsilvaanisch Deitsche“ und das Pfälzische, die beiden verwandten Sprachvarianten und ihre Sprecher im US-Bundesstaat Pennsylvania wie in der Pfalz, stehen im Fokus von „Hiwwe wie driwwe – Pfälzisch in Amerika“. Der 38-jährigeMadenford, ein amerikanischer Deutschlehrer, der mit Pennsylvania Dutch aufgewachsen ist, begibt sich darin auf Spurensuche nach der Pfälzer Sprache und Kultur in seiner Heimat wie im „Alten Land“, wie die „Wellkumuff de premier“, heißt es ganz stilecht bei der Uraufführung des Dokumentarfilms „Hiwwe wie driwwe – Pfälzisch in Amerika“ im Universum-Kinocenter in Landau. Der große Kinosaal ist ausverkauft. Die Zuschauer erfahren viel Neues – nicht nur über ihre Heimatsprache. Nachfahren der Ausgewanderten unsere Pfalz nennen.

„Als ich en kleener Bu war, ich hab gedenkt, dass es zwei Himmel hat: der Himmel mit Gott und Pennsylvania“, erklärt er launig in Landau, „und dann bin ich in die Palz gereist und ich hab rausgefunne, dass es drei Himmel gebt.“ Viel Applaus gibt es für diese Feststellung, ebenso wiederholt viel Gelächter und spontanen Beifall während des laufenden Films, sowohl wenn sich ungeahnte Übereinstimmungen als auch auffällige Diskrepanzen zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Dialekt bemerkbar machen.

„Schnickelfritz“ sagen die Pennsylvania-Deutschen etwa, wenn sie „Lausbub“meinen, „abartig“ steht bei ihnen wertungsfrei für „besonders“. Der französische Einfluss, den das Pfälzische in den beiden letzten Jahrhunderten genommen hat, ist ihnen dagegen ganz fremd.

„Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden“, zitiert Bürgermeister Maximilian Ingenthron den chinesischen Philosophen Konfuzius und lobt den Film als „Denkmal für den kulturellen Reichtum unserer Welt“. Christian Schega, selbst aus Landau, und den Schwegenheimer Benjamin Wagener, die Autoren, Produzenten und Regisseure des Films, preist er besonders für ihre Kreativität und Beharrlichkeit.

Die beiden Mittdreißiger hatten bereits 2015 die Idee zu dem Film und anschließend vier Jahre Arbeit hineingesteckt. Unterstützt wurden sie dabei von verschiedenen Institutionen, Mitarbeitern aus der Region, sowie zahlreichen Crowdfundern, die vorab in das Projekt investierten. „Wir haben das Geld über verschiedene Wege zusammengekratzt“, berichtet Schega, der an der Filmakademie Baden-Württemberg Produktion studiert hat. Das Budget blieb dennoch sehr klein. „Verdient hat an dem Spaß noch keiner was“, erklärt der 38-Jährige. Den Verleih übernehmen Wagener und Schega selbst. „Wir betreiben selbst die Akquise bei den Kinos, überzeugen die Betreiber davon, dass sie diesen Film zeigen, und müssen wirklich noch selbst die Kinokopien und die Plakate zu den Kinos bringen“, erzählt Schega. „Aber gerade hier, im Pfälzer Sprachraum, läuft es gut.“ Ab Juli zeigen sie „Hiwwe wie driwwe“ auch in den USA.

Stefan Otto, Pfälzer Tageblatt, 15.04.2019
(wir danken für die freundliche Zurverfügungstellung)

Nach dem Erfolg in den Kinos in Südwest-Deutschland (ca. 15.000 Besucher insgesamt) und dem Überraschungserfolg beim Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen ist der Film jetzt für weitere Kinos in ganz Deutschland unter dem Titel "Hiwwe wie Driwwe – Amerikaner sprechen deutsch" verfügbar.