Love and Friendship

Die gute alte Jane Austen taugt traditionell für Verfilmungen. Fast drei Dutzend Adaptionen gibt es mittlerweile, allein „Stolz und Vorurteile“ bringt es auf 14 Variationen. Nun kommt das kaum bekannte Frühwerk „Lady Susan“ auf die Leinwand – und entpuppt sich als höchst charmanter Coup. So umwerfend komisch und brillant scharfzüngig gab es die Austen nur selten zu sehen. Kate Beckinsale überzeugt mit einer betörenden Glanzleistung als finanzklamme Witwe, die nach vermögenden Heirats-Kandidaten Ausschau hält – und dabei die feine Snob-Society so selbstbewusst wie clever am Nasenring durch die Manege der Eitelkeiten zieht. Verstaubter Kostümschinken war gestern: Nun kommt eine historische Gesellschaftssatire-Lovestory mit geschliffenem Wortwitz sowie einer ziemlich starken, attraktiven Frau.

Webseite: www.ksmfilm.de

GB 2016
Regie: Whit Stillmann
Darsteller: Kate Beckinsale, Chloë Sevigny, Xavier Samuel, Stephen Fry, James Fleet, Tom Bennett
Filmlänge: 96 Minuten
Verleih: KSM, Vertrieb: 24 Bilder
Kinostart: 29.12.2016

PRESSESTIMMEN:

„Die schönste aller Austen-Verfilmungen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Frisch und witzig, mit rasantem Tempo und Gespür für die scharfzüngigen Dialoge erzählt Regisseur Whit Stillman die Geschichte der verwitweten Lady Susan, die nicht nur ihre Tochter verheiraten, sondern verdammt noch mal auch ein bißchen Spaß im Leben haben möchte. Kate Beckinsale, die vor Jahren schon mal Austens ‚Emma‘ war, ist umwerfend als hartgesottene Titelheldin.“
Brigitte

FILMKRITIK:

„Du bist eine brillante Hexe!“ – „Danke für das Kompliment.“ – hart, aber herzlich, so klingt der Umgangston zwischen den beste Freundinnen Susan Vernon (Kate Beckinsale) und Alicia Johnson (Chloë Sevigny). Die beiden Ladys bewegen sich auf Augenhöhe und sie wissen recht genau, dass ihnen sonst kaum jemand das Wasser reichen kann. Nachdem ihr Gatte verschieden ist, sucht die schöne Susan nach lukrativen Möglichkeiten, den gewohnt luxuriösen Lebensstandard nicht zu verlieren. Der Versuch, sich samt der erwachsenen Tochter im Anwesen ihrer alten Freunde Lord und Lady Manwaring einzunisten, scheitert freilich nach kurzer Zeit an der nicht ganz unberechtigten Eifersucht der Gastgeberin.
 
Von solchen Rückschlägen lässt sich die selbstbewusste Witwe kaum entmutigen. Kurzerhand lädt sie sich selbst auf dem Anwesen von Schwager Charles ein – zum Schrecken von dessen Gattin Catherine, der Schlimmes schwant. Deren Bruder Reginald reagiert hingegen überaus begeistert auf den weiblichen Besuch. Ihm gehörig den Kopf zu verdrehen, gerät für Susan zum Kinderspiel. Als der besorgte Vater des jungen Liebhabers seinen Sohn aus den Fängen der skandalumwehten Verführerin befreien will und mit Enterbung droht, ist es längst zu spät. Die smarte Witwe lässt den hübschen Verehrer genüsslich zappeln. Schließlich gibt es wichtigeres zu tun: Etwa die widerspenstige Tochter Frederica mit dem vermögenden Sir James Martin zu verbandeln. Diesem ausgemachten Trottel mag der sensible Nachwuchs nun wirklich nicht das Ja-Wort geben. Ein Nein zu akzeptieren wäre für die resolute Mama jedoch jenseits aller Vorstellungskraft. Susan hat stets alles souverän im Griff. Selbst wenn ihrer amourösen Kartenhäuser dramatisch vom Einsturz bedroht scheinen, weil sie auf frischer Flirt-Tat erwischt wird, hat die Lady längst noch Trümpfe im Ärmel: „Tatsachen sind etwas Grauenhaftes.” kommentiert sie knapp und bastelt lässig an einer Ausrede, die alle völlig überzeugend finden.
 
Für sein Debüt „Metropolitan“ bekam Regisseur Whit Stillman einst gleich eine Oscar-Nominierung. In „Last Days of Disco“ ließ er danach Kate Beckinsale und Chloë Sevigny unter Beweis stellen, was in ihnen steckt. Die Beckinsale machte danach mit dem „Underworld“-Franchise massiv Karriere – ihr Können ging in dem Fantasy-Spektakel freilich naturgemäß unter. Umso begeisterter nutzt die Britin nun die Chance dieser starken Rolle. Mit spürbaren Vergnügen gibt sie diese listige Witwe, die alle Rivalinnen mit eiskalt kalkulierten Charme-Offensiven und höflichen Bonmots aus dem Weg räumt und so bei der Damenwahl die beste Männer-Beute macht. Aber wehe, ein Verehrer erscheint zu unvermögend: „Wie wagen Sie es, mich anzusprechen? Ich werde Sie auspeitschen lassen!“ faucht die mittellose Lady – um danach mit der besten Freundin über solche Softies zu kichern.
 
Nicht nur an dieser prickelnden Beckinsale hätte Jane Austen gewiss ihr Vergnügen. Auch Tom Bennett als reicher Trottel liefert eine komödiantische Meisterleistung. Ob er sich beim Essen euphorisch an der Existenz von „kleinen grünen Kugeln“ auf seinem Teller erfreut, gemeinhin als Erbsen bekannt. Oder angeberisch über die 12 Gebote Gottes philosophiert – und auf Nachfrage seinen Zahlenfehler tölpelhaft korrigieren möchte.
 
Für die dramaturgische Umsetzung dieses Briefromans, der erst ein halbes Jahrhundert nach Austens Tod veröffentlicht wurde, findet Stillman ein cleveres Konzept: Er stellt die Figuren kurzerhand mit Einblendung ihres Namens sowie der Funktion und Charaktereigenschaften vor. Damit lässt sich das bunt besetzte, prachtvoll ausgestattete Figurenkarussell schnell in Schwung bringen. Rasante Dialoge sowie reichlich Situationskomik sorgen dafür, dass diese Fahrt nie an Tempo verliert.  
 
Wer dieses komödiantische Feuerwerk standesgemäß genießen möchte, kann sich für die OmU-Version entscheiden – wo nicht nur das Wortspiel mit „Churchill“ erst richtig zur Geltung kommt.
 
Dieter Oßwald