Rate Your Date

Die moderne Dating-Welt ist schon etwas ganz Eigenes. Den Weg in die nächste Bar oder Disco muss man gar nicht mehr auf sich nehmen, es reicht, sich bei Tinder und Co. durchzuswitchen, auf ein Match zu warten, ein bisschen zu chatten und sich dann zu treffen. Vorzugweise für ein flottes Abenteuer ohne große Verbindlichkeit. Davon erzählt auch „Rate Your Date“, nur dass hier das Prinzip gleich noch auf die Spitze getrieben wird.

Webseite: www.fox.de/rate-your-date

Deutschland 2019
Regie: David Dietl
Darsteller: Alicia von Rittberg, Marc Benjamin, Edin Hasanovic, Nilam Farooq, Anke Engelke, Trang Le Hong, Frederik Götz, Alexander Khuon, Leopold Hornung u.a.
Länge:
Verleih: Fox
Kinostart: 7. März 2019

FILMKRITIK:

Teresa (sehr erfrischend: Alicia von Rittberg) drückt sich bei jeder Beziehung immer dann, wenn es ernst zu werden droht. Anton (Marc Benjamin) möchte, dass es mit seiner Freundin Sissi noch ernster wird, doch noch bevor er ihr den Heiratsantrag machen kann, erklärt sie, dass sie findet, sie sollten beide auch mal neue Erfahrungen machen und mit anderen Menschen schlafen. Das gefällt Anton gar nicht, aber er lässt sich darauf ein und lernt Teresa kennen. Zum Sex kommt es nicht, wohl aber zu einem Gespräch, das eine Geschäftsidee gebiert: Was man bräuchte, wäre eine App, mit der man Menschen in Schubladen stecken kann und gleich weiß, woran man ist.
 
Zusammen mit ihren Freunden Paul (Edin Hasanovic) und Patrizia (Nilam Farooq) ziehen sie die App „Rate Your Date“ auf, bei der die User die Möglichkeiten haben, Menschen in Kategorien einzuteilen, etwa Nestbauer, Sexgott, Hinhalter oder ähnliches. Der Erfolg scheint zum Greifen nah, aber dann zeigt sich, dass Liebe eben doch etwas komplexer ist als man das mit Algorithmen erfassen könnte.
 
Jüngst befasste sich „Safari“ mit den Problemen des Online-Datings, „Rate Your Date“ geht aber einen Schritt weiter. Dass Apps á la Tinder eine gewisse Oberflächlichkeit transportieren, ist nichts Neues, dass man dieser Fassade mit Transparenz begegnen möchte, ein interessanter Ansatz. Aber auch die App im Film ist nicht revolutionär, sondern nur Ausdruck dessen, in welcher Welt wir leben. Einer, in der das Bestehende nie zufriedenstellend ist, weil die Verheißung dessen, was kommen könnte, so viel größer ist. Antons Freundin bringt es auf den Punkt: „Wie kann man heiraten, wenn man nicht genug ausprobiert hat, um zu sehen, ob es da draußen nicht jemanden gibt, der noch besser zu einem passt.“
 
Das ist die Crux des Rechts-und-links-Wischens und des Gefühls eines Überflusses, der dem eines vollgefüllten Regals in einem Supermarkt gleicht. So viel Auswahl, aber was soll man nehmen?
 
Für die beiden Hauptfiguren stellt sich diese Frage nicht. Die eine will ohnehin jeden ein bisschen, aber keinen richtig, der eine möchte nur die Frau, mit der er schon ewig zusammen ist, ohne zu erkennen, dass man sich auseinandergelebt hat.
 
Das ist der Stoff einer romantischen Komödie, „Rate Your Date“ entzieht sich aber den üblichen Fallstricken des Genres und erzählt sowohl frech, als auch locker – und mit einem gewissen Gespür für Tiefgang. Weil es einige sehr ernsthafte, emotional glaubwürdige Momente gibt, an deren Ende sich eben doch zeigt, dass man all die Apps gar nicht braucht, um die große Liebe finden zu können. Man muss nur offen dafür sein.
 
Peter Osteried