Talking Money – Rendezvous bei der Bank

Über Geld spricht man zwar eigentlich nicht und schon gar nicht gern. Dementsprechend unentspannt wirken die Gespräche zwischen Bankangestellten und Kunden, zwischen Kreditgebern und potentiellen Kreditnehmern an, die Sebastian Winkels für seinen Dokumentarfilm „Talking Money“ in der ganzen Welt aufgenommen hat.

Webseite: https://talkingmoney.de

Dokumentation
Schweiz/Deutschland 2017
Regie: Sebastian Winkels
Länge: 83 Minuten
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 28. März 2019

FILMKRITIK:

Allein Sprachen, das Aussehen der Menschen und der Bankräume sorgen für ein wenig Orientierung, abgesehen davon lässt Sebastian Winkels den Zuschauer in seiner konzeptionellen Dokumentation „Talking Money“ bewusst allein. Keine genauen Hinweise gibt es darauf, ob wir gerade ein Gespräch zwischen Bankbeamten und Kunden in der Schweiz, in Indien oder Georgien beobachten, für was die Kredite verwendet werden sollen, ob sie groß oder klein sind.
 
Obwohl: Dass es sich meist um Privatkredite handeln muss, um kleine Summen, mit denen sich Menschen kleine Wünsche erfüllen oder auch nur ihre Wohnung renovieren wollen, ahnt man schnell, was den zahlreichen Gesprächen, denen man in den kaum 80 Minuten des Films zuhört, eine gewisse Dringlichkeit verleiht. Es scheint zwar nicht wirklich um die bloße Existenz einer einzelnen Person zu gehen, aber gut gestellt ist hier kaum jemand. Gut, vielleicht die Dame aus der Schweiz, die ausführlich über ihre Lebensverhältnisse berichtet, vielleicht auch ein Mann in Indien, der selbstbewusst nach einem Kredit ersucht.
 
Ähnlich laufen die meisten Gespräche ab, drehen sich lose um die Verwendungszwecke des Kredits, vor allem aber um die Kreditwürdigkeit des Kunden, um mögliche Sicherheiten, aber auch um bekannte Tricks, die die Bankbeamten schon oft erlebt zu haben scheinen.
 
Gerade in einer Szene, die wohl in einem westafrikanischen Land spielt, kann man an der Reaktion der Angestellten hören, dass sie ihr Gegenüber kennt, dass sie um seine offenbar nicht immer ausreichende Zuverlässigkeit weiß. Erstaunlich sachlich verlaufen die meisten Gespräche dennoch, vielleicht auch der Gegenwart der Kamera geschuldet, lässt sich keiner der Kunden zu einer unwirschen Reaktion hinreißen, wenn das Gespräch nicht den gewünschten Lauf nimmt, wenn ein Kredit nicht oder nur mit Auflagen vergeben wird.
 
Vielleicht ist dies aber auch ein Zeichen des ungleichen Verhältnisses, das hier aufgezeigt wird: Auf der einen Seite ein Bittsteller, auf der anderen eine Person mit einer gewissen Machtstellung, die über ein Schicksal entscheiden kann. Im Bild ist jedoch stets nur die eine Seite, ist die statische Kamera nur auf die Kunden gerichtet, blickt dem Bankangestellten quasi über die Schulter, zeigt nie mehr als Hände, die im Vordergrund mit Papieren hantiert, während im Hintergrund der Kunde auf das Ergebnis, ja, das Urteil wartet.
 
Von Macht ist dieses Verhältnis nicht nur unterschwellig geprägt, egal in welchem Land sich die Gespräche abspielen, egal ob am Ende ein Kredit erteilt wird oder nicht. Wie sehr man diese kurzen Momente aus dem Bankgeschäft aller Welt als Kommentar über das Verhältnis zwischen Reich und Arm, zwischen Banken und Kunden sehen mag, bleibt offen, Sebastian Winkels begnügt sich konsequent mit einer vollkommen zurückgenommenen Position, die nur zeigt und sich im Gegensatz zu manch anderen stilistisch ähnlich subtileren Dokumentationen auch bewusst jedes unterschwelligen Kommentars entzieht. Auf Dauer mag man das gerade angesichts des inhaltlich und auch visuell extrem reduzierten Themas etwas repetitiv finden, eine konsequente dokumentarische Arbeit ist „Talking Money“ dennoch in jedem Fall.
 
Michael Meyns