UglyDolls

Auch ohne die finanziellen Mittel führender Animationsstudios erzählt das CGI-Abenteuer „UglyDolls“ eine gerade für Kinder inspirierende Geschichte darüber, wie es ist, zu sich selbst zu stehen.

Webseite: www.UglyDolls-derFilm.de

CHN/CAN/USA 2019
Regie: Kelly Asbury
Original Stimmen: Kelly Clarkson, Nick Jonas, Janelle Monáe, Blake Shelton, Pitbull, Ice-T, Wanda Sykes
Länge: 87 Minuten
Verleih: Tobis Filmverleih
Kinostart: 3. Oktober 2019

FILMKRITIK:

Eigentlich sind sie einfach nur Ausschussware, doch vor vielen, vielen Jahren haben sich die sogenannten UglyDolls – Stoffpuppen, die äußerlich nicht dem Ideal entsprechen – ein eigenes Reich in der finstersten Ecke der Stofftierfabrik aufgebaut. In diesem Uglyville getauften Örtchen leben sämtliche aus dem Raster fallenden Puppen friedlich zusammen. Doch ganz so einfach ist das dann doch nicht. Die Puppe Moxy (Kelly Clarkson) ahnt schon lange, dass es abseits von Uglyville noch viel mehr zu entdecken gibt. In einer Nacht- und Nebelaktion begibt sich Moxy gemeinsam mit einer Handvoll weiterer Puppen außerhalb des Örtchens und landet schon bald in dem angrenzenden Städtchen Perfection. Hier hört alles auf das Kommando der äußerlich perfekten Puppe Lou (Nick Jonas), der seine dutzenden Ebenbilder auf ihre Zeit bei ihren zukünftigen Familien vorbereitet. Auch Moxy und ihre Freunde wünschen sich nichts sehnlicher, als ein Kind glücklich zu machen. Doch dafür müssen sie erst einmal beweisen, dass wahre Schönheit von innen kommt…
 
Für die Leser, die zuhause keine Kinder zwischen vier und zehn Jahre beherbergen, müssen wir das „Phänomen Uglydolls“ sicher erst einmal genauer erklären: Bei den unförmigen Stoffgesellen handelt es sich um die Emporkömmlinge der gleichnamigen Spielzeugmarke, die Anfang der Zweitausenderjahre von David Horvath und Kim-Sun-Min ins Leben gerufen wurde. Die mittlerweile miteinander verheirateten Charakterdesigner schufen die farbenfrohen Plüschfiguren als eine Mischung aus Kuscheltier und Puppe, durch deren Aussehen abseits jedweder Schönheitsideale ein Statement für visuellen Individualismus gesetzt werden sollte. Mittlerweile gibt es zig verschiedene UglyDoll-Modelle. Sie alle einen knallige Farben, kreisrunde Augen und ein breiter, zum Lächeln verzogener Strichmund. Ihre Körperform grenzt sich bewusst von den Proportionen jedweder Tier- und Menschenformen ab. Außerdem ist jede Puppe mit einem eigenen Namen und Charakter ausgestattet. Anhand dieser Beschreibung der nun im gleichnamigen Film die Hauptrollen spielenden Uglydolls ahnt man, dass der Zeitgeist eine Leinwandadaption regelrecht vorgibt. „Uglydolls“ ist so etwas wie die Kindervariante der „Liebe deinen Körper“-Comedy „I Feel Pretty“.
 
Bei der Amy-Schumer-Komödie handelte es sich um einen der ersten Filmbeiträge, in dem die sogenannte „Body Positivity“-Bewegung thematisiert wurde. Hierbei handelt es sich um einen Trend, der sich aktiv vom 90-60-90-Schönheitsideal abgrenzt und propagiert, dass sich jeder Mensch in seinem Körper schön fühlen sollte, egal welche Maße er besitzt. Nun ist „UglyDolls“ mit Sicherheit nicht so analysierend wie „Embrace“ und so bissig wie „I Feel Pretty“, aber er führt eine sehr junge Generation an den Gedanken heran, dass man sich nicht den vorherrschenden Vorstellungen einer körperfixierten Gesellschaft beeindrucken lassen sollte, um glücklich zu sein. Unterstrichen von einer Handvoll ohrwurmtauglicher Musicalnummern, in denen die Uglydolls Zufriedenheit, Individualität und ein freundschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl besingen (was alles deutlich wichtiger ist, als die Frage, wie man aussieht), macht Regisseur Kelly Asbury („Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“) auf altersgerechte Weise Mut; Mut, aus sich herauszukommen, zu sich selbst zu stehen und auch, sich seine Freunde nach ihren inneren Werten auszusuchen.
 
Im Vergleich zu führenden Animationsschmieden wie Disney, Pixar oder Dreamworks Animation hatte Kelly Asbury für seinen Film nur einen Bruchteil an finanziellen Mitteln zur Verfügung. Der unter anderem vom den Reel-FX-Studios („Free Birds“) produzierte „Uglydolls“ kostete um die 50 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der vierte „Toy Story“-Film verschlang mal eben das Vierfache dieses Budgets. Das sieht man dem Film leider an, der nicht mit einem solch detaillierten Trickdesign glänzen kann, wie seine teuren Vorbilder. Gleichzeitig machen die Verantwortlichen das Beste draus, indem sämtliche kreative Vielfalt in das Design der Puppen floss, deren knallbuntes Äußeres den Film dominiert. Dass sich die Nebencharaktere sowie die Hintergründe mit ihrem minimalistischen Aussehen stark von den Uglydolls abgrenzen, ist inhaltlich sogar nachvollziehbar: Hier stehen endlich einmal diejenigen im Spotlight, die sich stark von ihrem Umfeld abgrenzen. Und mit dieser Botschaft geht man am Ende ganz sicher beschwingt aus dem Kino.
 
Antje Wessels