Yes, God, Yes

Auf Basis ihres gleichnamigen Kurzfilms hat Karen Maine diese Langversion produziert – wobei eine Laufzeit von gut 70 Minuten natürlich nicht übermäßig lang ist. Sie baut aus, was sie im Kurzfilm bereits auf den Punkt brachte und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die ihre eigene Sexualität entdeckt und versucht, sich von den katholischen Zwängen, die ihr auferlegt sind, freizuschwimmen. Das geschieht mit viel Charme und reichlich amüsanten Momenten. Das Highlight ist die Hauptdarstellerin: „Stranger Things“-Star Natalia Dyer.

Website: http://capelight.de/yes-god-yes-boese-maedchen-beichten-nicht

Yes, God, Yes
USA 2019
Regie: Karen Maine
Buch: Karen Maine
Darsteller: Natalia Dyer, Francesca Reale, Alisha Boe
Länge: 78 Minuten
Verleih: Capelight, Vertrieb: Central
Kinostart: 5. November 2020

 

FILMKRITIK:

Als Teenager in der High School hat man es sowieso nicht leicht. In einer streng katholischen Schule aber ist das Leben noch mal viel strapaziöser. Das muss Alice (Natalia Dyer) am eigenen Leib erfahren. Im Sexualkundeunterricht doziert der Pfarrer nur darüber, dass Sex außerhalb der Ehe und ohne den Zweck der Fortpflanzung direkt in die Hölle führt. Das beinhaltet auch Masturbation – dabei regt Alice die Sexszene aus „Titanic“ immer besonders an. Und dann sind da noch Onlinechats, die sie zu unkeuschen Handlungen verführen wollen. Ganz zu schweigen von dem Gerücht, dass sie mit einem Mitschüler etwas gemacht hat, bei dem sie nicht mal weiß, was es eigentlich sein soll. Nun stehen vier Tage Kirchenlager mit Beichten, Beten und Bibelstunden an. Doch wird das Alice bei der Bewältigung ihrer Probleme wirklich helfen?

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist auch das Land der zwei Amerikas – sehr unterschiedlichen Welten, die sich aufteilen lassen in die Küstenstaaten und alles, was dazwischenliegt. Dazwischen ist der Bible Belt, der Bibelgürtel, in dem Religion und der Glaube an Gott noch so gefestigt sind, dass man im Grunde die Kehrseite zum fundamentalistischen Islam bildet. Das führt „Yes, God, Yes“ auf erschreckende Weise vor Augen, kann man doch nicht umhin, die katholische Schule und das Kirchenlager als Auswüchse einer Sekte zu sehen – inklusive der gläubigen Führungspersönlichkeiten, die Wasser predigen und Wein saufen. Oder Keuschheit predigen und selbst gerne beim Ansehen von Pornovideos Hand an sich legen.

In diesem Umfeld, das aus europäisch-abgeklärter Sicht fast schon wie Feindesland anmutet, bewegt sich die junge Heldin, die Angst davor hat, in die Hölle zu kommen, aber ein Erweckungserlebnis hat. Nicht im Kirchenlager, sondern in einer Bar, in der ihr eine ältere Frau erklärt, wie die Welt läuft: Jeder versucht nur, mit seinem Scheiß zurechtzukommen und keiner hat Ahnung, wie.

So gestaltet sich „Yes, God, Yes“ als durchaus schräge Coming-of-Age-Geschichte, die angesichts des Themas ruhig etwas mehr wagen könnte. Dafür brilliert der Film mit der damals 24-jährigen Natalia Dyer, die als Teenager absolut überzeugend ist. Gerade ihre Mimik ist immer wieder ein Quell der Freude.

Natürlich gestaltet sich die Geschichte vorhersehbar, und natürlich gibt es keine wirklichen Überraschungen, aber „Yes, God, Yes“ ist ein sympathischer, kleiner Film. Ein wenig unaufregend, ein wenig zu sehr auf Nummer sicher gehend, aber auch der schmalen Laufzeit wegen durchaus unterhaltsam.

Peter Osteried