Queen Bees

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Die Alten taugen allemal für Kinogeschichten der unaufgeregt amüsanten Art. Obendrein erweisen sie sich als durchaus populär: Die lustigen Rentner von „Cocoon“ lockten einst mehr Besucher als „Rambo II“. Im Altenheim spielt auch diese Komödie: Oscar-Preisträgerin Ellen Burstyn ist die selbstbewusste Heldin Helen, die vorübergehend in ein Heim ziehen muss. Der Empfang gerät frostig, die Hackordnung des Hauses scheint gnadenlos. So leicht gibt die resolute Helen jedoch nicht auf, zumal auch noch ein überraschender Flirt winkt. Der Garde der Schauspiel-Veteranen macht dieser Auftritt in einer liebevollen Senioren-Lovestory sichtlich Spaß. Ganz nach dem Motto: „80 ist das neue 18“.

Webseite: www.kinostar.com/filmverleih/queen-bees/

USA 2020
Regie: Michael Lembeck
Darsteller: Ellen Burstyn, James Caan, Jane Curtin, Loretta Devine, Christopher Lloyd
Filmlänge: 100 Minuten
Verleih: Kinostar Filmverleih GmbH
Kinostart: 19.8.2021

FILMKRITIK:

„Verschonen Sie mich mit Ihren Werbeprospekten. Ich habe absolut kein Interesse dafür!” beschwert sich Helen Wilson (Ellen Burstyn) telefonisch bei einer Altersresidenz. Die resolute Seniorin weiß genau, was sie will. Und das lässt sie alle wissen, ob Nachbarn oder Familie. Deren Vorschläge, aus ihrem trauten Heim auszuziehen lehnt sie kategorisch ab. Regelmäßig den Hausschlüssel zu verlegen, gehört zu den kleineren Missgeschicken im Alltag, die sich mehr oder weniger einfach ausbügeln lassen - und sei es, dass der rettende Enkel durchs Fenster einsteigt. Dramatischer sind die Folgen von einem kleinen Missgeschick, welches der Rentnerin passiert. Die Schäden in ihrer Wohnung müssen aufwändig behoben werden, vorübergehend bleibt nur der Umzug in das ungeliebte Altersheim.

Der Empfang in der Seniorenresidenz fällt denkbar frostig aus, die Hackordnung ist gnadenlos. Erst wird die Neue unfreundlich vom Esstisch verscheucht, ähnlich brüsk wird Helen beim Bridge abgewiesen. Das titelgebende Quartett der biestigen „Bienenköniginnen“ wird seinem Ruf gerecht - doch Lady Wilson lässt sich nicht einschüchtern, ganz im Gegenteil. Ein überraschender Todesfall kommt da so gelegen wie die heimlichen Mauscheleien der Tochter mit dem Heimleiter, die zu einer erstklassigen VIP-Behandlung für Helen führen. Als mit Mister Simpson ein galanter Verehrer in blendender Flirt-Laune auftaucht, blüht die umschwärmte Witwe regelrecht auf. Selbst die Rivalinnen vom Bridge-Tisch mutieren alsbald zu ziemlich besten Freundinnen. Nicht alles freilich ist so harmonisch, wie es zunächst scheint. Die Idylle trügt, das Happy End scheint bedroht - oder wird es doch noch ein paar überraschende Wendungen geben? Und: Wird der Wassergymnastik-Trainer jene seit langem sehnsüchtig flirtende Fan-Schar doch noch mit einem Striptease beglücken?

Weil das Leben bekanntlich die schönsten Geschichten schreibt, basiert auch dieser Stoff auf den wahren Erlebnissen einer Großmutter - deren Enkel zufällig Filmproduzent ist und der die Idee zu dieser Lovestory unter Senioren hatte. Der Erzähltempo bleibt gemächlich, eine alte Frau ist schließlich kein D-Zug. Umso flotter geraten die Dialoge. Wie mit dem Florett werden hier die heftigen Wortgefechte der Rivalinnen ausgeführt. Derweil die alten (und auch jungen) Herren bei den Streit-Spektakeln stets zu Komparsen oder unterwürfigen Helfern degradiert sind. Allenfalls als Romeos dürfen sie glänzen - ganz wie die Drohnen im Bienenreich.

So klischeehaft die Figuren gestrickt sein mögen, wird ihnen von einem exzellenten Ensemble erstaunlich viel Leben und Empathie-Potenzial eingehaucht. Mehr Erfahrung kann eine Besetzung schließlich kaum auf dem Buckel haben. Christopher Lloyd 82, glänzte einst in „Zurück in die Zukunft“, James Caan, 81, wirkte in „Der Pate“ mit. Last not least schrieb die sechsfach für den Oscar nominierte Ellen Burstyn, 88, vor vier Jahrzehnten Filmgeschichte mit „Der Exorzist“. Diesen Veteranen macht ihr gemeinsamer Auftritt sichtliches Vergnügen - welches schnell auf das Publikum überspringt. Wer die „Golden Girls“ mochte, wird diese brummigen „Queen Bees“ lieben.

Dieter Oßwald