Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder

Unsere Gesellschaft wird immer älter, womit das Thema "Altern in Würde" an Bedeutung zunehmen wird. Wie man auch noch in fortgeschrittenem Alter einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und mit Selbstachtung altern kann, zeigt Claudia Funk mit ihrem neuen Film. "Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder" begleitet die Bewohner eines Altenheimes im rumänischen Siebenbürgen, die ihre eigene Landwirtschaft betreiben und zusammen wie in einer Art Wohngemeinschaft leben. Die sehenswerte, wichtige Doku zeigt zufriedene, ausgeglichenen Senioren, denen man das Gefühl gibt, noch immer gebraucht zu werden. Ein Modell mit Zukunft.

Webseite: www.gmfilms.de

Deutschland 2014
Regie: Claudia Funk
Buch: Claudia Funk
Länge: 76 Minuten
Verleih: GMfilms, Vertrieb: barnsteiner
Kinostart: 01. Oktober 2015
 

FILMKRITIK:

Da auch in Deutschland das Thema der älter werdenden Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt, stellt sich auch hierzulande zunehmend die Frage, wie man als Mensch in Würde und glücklich altern kann. Ein Paradebeispiel dafür  zeigt uns die Filmemacherin Claudia Funk in ihrer beachtlichen Dokumentation "Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder" über den Alltag in einem Siebenbürger Altenheim. Die Siebenbürger Sachsen sind eine der ältesten Siedlergruppen in Osteuropa, die meisten von ihnen flohen ab den 70er-Jahren vom diktatorischen Ceaușescu-Regime in Rumänien nach Deutschland oder Österreich. Einige von ihnen sind aber in ihrer Heimat geblieben, vor allem die Ältesten. 30 von ihnen leben gemeinsam in einem Altersheim, das im Zentrum des Films steht.

Das Zusammenleben der Menschen zwischen 55 und 93 kann dabei als ein mögliches zukunftsweisendes Modell angesehen werden, wie man als alter Mensch glücklich seinen Lebensabend verbringen kann. Die ehemalige N24-Nachrichtenredakteurin Funk verbrachte einige Zeit mit den Bewohnern des Altenheims und begleitete sie bei ihren täglichen Arbeiten und Aufgaben. Das Besondere hierbei ist, dass in dem Heim ein jeder mit anpacken und mithelfen darf, die angeschlossene ökologische Landwirtschaft zu betreiben. Dabei spielt das Alter keine Rolle.

Und so kommt es, dass sich in dem Heim wie selbstverständlich 80-jährige Senioren um die Schafe, Hühner oder Kühe kümmern, auf dem 12 Hektar großen Acker arbeiten, bei Mäharbeiten helfen oder das Schweinefutter – noch wie früher – selber herstellen. Regisseurin Funk ist dabei immer ganz dicht bei ihnen und beobachtet sie den Tag über mit der Kamera bei ihren Tätigkeiten. Zwischendurch lässt sie die Bewohner selbst oder einige der Pfleger zu Wort kommen, die sich allesamt positiv über ihr Heim-Modell äußern. Und man sieht es den Menschen an, vor allem natürlich den Bewohnern selbst, wenn sie über ihre Aufgaben mit leuchtenden Augen sprechen oder mit Eifer und Leidenschaft dabei zu sehen sind: sie machen einen zufriedenen, ausgeglichenen Eindruck, man begegnet ihnen stets mit Wertschätzung und Ehrgefühl.

Das Verhältnis der Bewohner untereinander wirkt freundschaftlich und gelöst, die Senioren wissen, dass sie zusammenarbeiten und -helfen müssen, damit das Heim weiterhin selbst bewirtschaftet werden kann. Insofern erinnert das Leben dort eher an eine WG oder ein Zusammenschluss von alten Freunden, statt an ein Altenheim. Dabei zeigt der Film auch immer wieder die völlig unterschiedlichen, spannenden Lebenswege und -geschichten auf, die hinter den Personen stecken. Da es heute nur noch etwa 15 000 Siebenbürger Sachsen von einst 300 000 gibt, kann man den Film auch ein wenig als Würdigung der Sprache und Kultur dieser langsam aussterbenden Minderheit bezeichnen.

Alles in allem gelingt Funk hier eine sehenswerte, einzigartige Doku, die zu keiner Zeit ihrer 75 Spielminuten langweilt, obwohl sie zu weiten Teilen lediglich ältere Menschen bei körperlicher Arbeit zeigt. Eine Leistung, die man Ihnen (Funk wie auch den Bewohnern) erst mal nachmachen muss.
 
Björn Schneider