Brothers Grimm

USA 2005
Regie: Terry Gilliam
Darsteller: Matt Damon, Heath Ledger, Monica Bellucci, Jonathan Pryce, Peter Stormare, Lena Headey
118 Minuten
Verleih: Concorde
Start: 06.10.2005

Kultregisseur Terry Gilliam ist ein Meister der skurrilen Erzählung. In seinem neuesten Werk widmet er sich dem Leben der bekanntesten Märchenerzähler, den Gebrüdern Grimm. Herausgekommen ist ein opulenter und phantasievoller Trip, der sich jedoch allzu sehr im Klamauk verliert. An seiner eigenen Arbeit gemessen, enttäuscht Gilliam mit seinem neuen Wurf. Zwar ist seine Handschrift unverkennbar, doch sein zynischer Biss fehlt über weite Strecken des Films. Es darf gelacht werden, mehr aber auch nicht.

Deutschland im frühen 19. Jahrhundert. Die Bevölkerung leidet unter der Besatzung Frankreichs und manchenorts gar unter dem Einfluss von Hexen, Gespenstern und ähnlichen Kreaturen. Doch während die Besatzungstruppen eine reale Bedrohung darstellen, scheinen die Spukgestalten vielmehr der Phantasie und Naivität der Dorfbewohner zu entspringen. Ein Umstand, den sich die Brüder Will und Jake Grimm zunutze machen. Als Geisteraustreiber sind sie stets zur Stelle, wenn ein Dämon aus der Schattenwelt sein Unwesen zu treiben scheint. Ein einträglicher Job, der ihnen gutes Geld und eine Unterkunft für die Dauer ihres Exorzismus beschert. Und wie es sich für zwei wahre Märchenerzähler gehört, inszenieren die Gebrüder Grimm die vermeintliche Gefahr aus anderen Sphären gleich selbst.

Doch der faule Zauber fliegt auf und die französische Obrigkeit lässt die Hochstapler kurzerhand Dingfestmachen. Nun gibt es nur noch eine Möglichkeit dem sicheren Foltertod zu entrinnen – die furchtlosen Brüder müssen sich bewähren. So werden sie in einen verwunschenen Wald entsandt, um das Rätsel der zehn spurlos verschwundenen Mädchen zu lösen und den Fluch einer unsterblichen Hexe zu brechen. Nichts leichter als das, wäre da nicht die eigentliche Unkenntnis über derartige Phänomene und ihre Bekämpfung sowie die Tatsache, dass der Mut in vergleichbaren Situationen wie alles andere stets nur gespielt war.

Wahre Cineasten werden aufgehorcht haben, als sie erfuhren, dass ein neuer Film von Terry Gilliam in die Kinos kommt. Schließlich hat das ehemalige Monty Python Mitglied für so herausragende Werke wie „Brazil“, „Twelve Monkeys“ oder aber „Fear and Loathing in Las Vegas“ verantwortlich gezeichnet. Letztgenannter Film wurde vor sage und schreibe sieben Jahren veröffentlicht, was die besagten Filmliebhaber nur noch ungeduldiger machte. Nun hat das Warten ein Ende, doch gelohnt hat es sich nur bedingt.

Dabei war die zugrunde liegende Idee des Films besonders vielversprechend. Eine herrlich-skurrile Geschichte, in der die Gebrüder Grimm als Märchenerzähler im doppelten Sinne gezeigt wurden. Sie erfinden Schauermärchen um aus den Ängsten ihrer Mitmenschen Profit zu schlagen, lassen sich dabei zur Niederschrift ihrer späteren Erzählungen inspirieren und werden am Ende gar selbst Teil einer Gruselgeschichte. Einzig die Umsetzung macht ein wenig grimmig – nicht durch ihre Bilder, nicht durch ihr Ensemble, die Ausstattung oder sonstige Details. Es ist einzig und allein die Positionierung des Films. Ein schaurig schöner Spaß, kurzweilig im Genuss, aber leider eben auch in seiner Wirkung.

Doch als Fan des Kultregisseurs sei hier noch festgehalten: Ein mäßiger „Gilliam“ ist besser als keiner!

Gary Rohweder