Cézanne – Portraits eines Lebens

Im neuesten Film der Exhibition-on-Screen-Reihe geht es um Paul Cézanne, der als Wegbereiter der Moderne gilt. Wie der Titel schon andeutet, konzentriert sich „Cézanne – Portraits eines Lebens“ dabei auf die zahlreichen Portraits von Freunden, Wegbegleiter und sich selbst, die der Künstler im Lauf seines Lebens malte und an denen sich seine künstlerische Entwicklung aufzeigen lässt.

Webseite: exhibitiononscreen.com

Dokumentation
Großbritannien 2017
Regie & Buch: Phil Grabsky
Länge:  85 Minuten
Verleih: Seventh Art Productions
Kinostart: 18. März 2018

FILMKRITIK:

Viele Ausstellungen hat es schon über Paul Cézanne gegeben, doch erst eine Kooperation zwischen der National Portrait Gallery in London, der National Gallery of Art in Washington und dem Pariser Musée d’Orsay ermöglichte einen Blick auf die zahlreichen Portraits, die Paul Cézanne im Laufe seiner Karriere gemalt hat. In Paris und London filmte auch Phil Grabsky für seine Dokumentation „Cézanne – Portraits eines Lebens“, die mehr als andere Filme aus der Reihe Exhibition on Screen einer klassischen Dokumentation ähnelt.
 
Der vor kurzem im Kino zu sehende „David Hockney in der Royal Academy of Arts“ lebte etwa davon, den Künstler selbst zu Wort kommen zu lassen, eine Qualität, die ein Film über Cézanne aus offensichtlichen Gründen nicht haben kann. Dennoch kommt auch hier der Künstler selbst zu Wort, via vieler Briefe, aus denen zitiert wird, Briefe vor allem an seine Freunde, so wie etwa Emile Zole, mit dem Cézanne in seiner Geburtsstadt Aix-en-Provence zusammen zur Schule ging. Eine Freundschaft, die erst letztes Jahr in dem Spielfilm „Cézanne und Ich“ thematisiert wurde, der ein interessantes Gegenstück zu dieser dokumentarischen Annäherung an einen der Großen der Kunstgeschichte bildet.
 
Leicht zugänglich ist Cézanne allerdings nicht, ganz im Gegensatz zu manchen Zeitgenossen wie van Gogh oder Manet, deren Motive deutlich zu erkennen sind, die sich meist warmer Farben bedienen, nur selten verstören. Ganz anders Cézanne, der gerade in seiner hier im Mittelpunkt stehenden Portraits kaum Wert darauf legte, seinen Subjekten zu schmeicheln, sie von ihrer besten Seite zu zeigen oder sie sogar attraktiver zu malen als die Realität.
 
Unwirsch, missmutig oder zumindest nachdenklich wirken die von Cézanne Porträtierten, besonders auch seine langjährige Frau Hortense, die häufiger von ihrem Mann gemalt wurde als alle anderen. Gerade der Vergleich dieser Portraits ermöglicht es, die stilistische Entwicklung Cézannes nachzuvollziehen, der anfangs noch vom Realismus beeinflusst war, bald mit impressionistischen Formen spielte und schließlich Farbexperimente durchführte, die ihn zum Vorreiter der Moderne machten.
 
Von seinen Zeitgenossen wurde er allerdings missverstanden, erst eine Erbschaft ermöglichte es Cézanne, sich ganz seiner Kunst zu verschreiben, unabhängig von Aufträgen zu malen, die lange Jahre noch nötig waren, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Für andere Künstler war er dagegen stets eine Inspiration, wie in den zahlreichen Interviews mit Kuratoren und Kunsthistorikern deutlich wird, die Cézannes Entwicklung skizzieren. Eine intensive, sehr lehrreiche Stunde, bzw. 85 Minuten ist „Cézanne – Portraits eines Lebens“ eine audiovisuelle Führung durch Werk und Leben eines der großen der Kunstgeschichte, stilistisch zurückhaltend und ganz im Dienste der Würdigung von Paul Cézanne.
 
Michael Meyns