Ein Doktor auf Bestellung

Die leichte Komödie handelt von Serge, dem einzigen Notarzt, der über Weihnachten in Paris Hausbesuche macht. Als Serge sich verletzt, ist er auf die Hilfe des Pizzaboten Malek angewiesen, der mit Serges Unterstützung zum Arzt mutiert. Der vielseitige Charakterdarsteller Michel Blanc und der Comedian Hakim Jemili sind die Stars in diesem unterhaltsamen Buddy-Film, der urkomische Situationen und freundliche Sozialkritik mit einem Hauch von Paris-Flair bietet.

Originaltitel: Docteur?
Frankreich 2019
Regie: Tristan Séguéla
Drehbuch: Jim Birmant, Tristan Séguéla
Darsteller: Michel Blanc, Hakim Jemili, Solène Rigot
Länge: 90 Minuten
Verleih: SquareOne Entertainment, Vertrieb: Paramount
Kinostart: 3. Dezember 2020

FILMKRITIK:

Serge Manou-Mani ist wahrlich kein gutes Vorbil, als Arzt und als Mensch: ein stets und ständig mies gelaunter Zyniker, der mittlerweile das Rentenalter erreicht hat und vermutlich auch aufgrund seines Alkoholkonsums auf der untersten Stufe seiner medizinischen Karriere gelandet ist. Er arbeitet als Notarzt und fährt nachts quer durch Paris, um Patienten zu versorgen. Am Weihnachtsabend ist er diesmal sogar der einzige – seine Kollegen lassen es sich gut gehen, und Serge muss schuften. Es gibt jede Menge zu tun, wobei Serge seine generelle Lustlosigkeit offen zur Schau trägt. Trotzdem geht alles einigermaßen gut, bis er sich nach einem Einsatz plötzlich nicht mehr bewegen kann – der Rücken! Krankmelden kann er sich nicht, dann wäre niemand mehr im Einsatz, aber was viel schlimmer wäre: Dann würde Serge auch noch diesen letzten Job verlieren. Da kommt ihm der Pizzabote Malek gerade recht. Serge verspricht ihm einen angemessenen Anteil, und tatsächlich gelingt es ihm, Malek davon zu überzeugen, die Rolle des Arztes zu übernehmen – aber nur rein äußerlich, denn tatsächlich will Serge aus seinem Dienstwagen heraus Malek per Handy und Ohrhörer dirigieren. Im Grunde wird Malek auf diese Weise zu einer Art Marionette, an unsichtbaren Fäden geführt.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die sie mit knapper Not bewältigen, gelingt der Plan. Und nicht nur das: Malek gefällt seine neue Rolle. Endlich wird er mal anerkannt und respektiert! Schon nach wenigen Einsätzen stellt sich außerdem heraus, dass Malek im Grunde der bessere Arzt ist. Er geht auf die Sorgen und Nöte seiner Patienten ein, statt genervt oder arrogant zu reagieren, so wie Serge. Doch auch Serge selbst verändert sich durch den Kontakt zu Malek. Es scheint, als ob die Fassade des verbitterten Zynikers ein bisschen bröckelt. Vielleicht schlägt unter der harten Schale doch ein menschliches Herz?

Das Rezept ist bewährt: Man scheuche zwei möglichst gegensätzliche Charaktere aufeinander, die sich aufgrund widriger Umstände zusammenraufen müssen, bis sie schließlich „ziemlich beste Freunde“ werden. Dieses Grundmuster des Buddy-Films wird hier nur leicht abgewandelt. Oberschicht und Unterschicht, Arroganz und Mangel an Selbstwert, Lebensfreude und Verbitterung, Herzlichkeit und Sarkasmus treffen in Malek und Serge zusammen – zwei Menschen, vom Schicksal (oder vom Zufall) vereint, werden ein Team und damit beide zu besseren Menschen.

Diese Entwicklung bietet jede Menge Möglichkeiten für witzige Dialoge und abstruse Situationen. Diese Möglichkeiten nutzt Tristan Séguéla weidlich aus, wobei der Humor manchmal etwas deftig ist, aber niemals allzu platt. Die Komik ergibt sich dabei erfreulicherweise nicht daraus, dass Malek als Trottel vorgeführt wird, sondern aus dem Gegenteil: Malek verfügt zwar über wenig Bildung, aber dafür über ein großes Herz, und das macht ihn nicht nur zu einem guten Menschen, sondern auch zu einem guten Arzt. Und so ist der Film trotz aller Verwicklungen am Ende eine warmherzige Komödie, die ohne erwünschte Nebenwirkungen einfach für gute Laune sorgt.

Gaby Sikorski