Eine andere Liga

Deutschland 2005
Regie: Buket Alakus
Darsteller: Karoline Herfurth, Ken Duken, Thierry van Werveke, Zarah Jane McKenzie, Nursel Köse, Verena Wolfien
110 Minuten
Verleih: Timebandits Films (Start am 20.10.05), www.timebandits-films.de

Fußball ist nicht nur Männersache, er begeistert auch immer mehr Frauen. „Eine andere Liga“ ist nun aber nicht etwa ein zweiter „Kick it like Beckham“, sondern ein emotional packender Film um das Schicksal einer fußballbegeisterten jungen Frau, die wegen Brustkrebs von ihrem Lieblingssport lassen sollte, dies aber nicht will und zudem noch in eine Liebesgeschichte gezogen wird. Diese verschiedenen Aspekte zu verknüpfen, das gelingt Regisseurin Buket Alakus in ihrem an manchen Stellen etwas zu konstruierten Film insgesamt recht gut.

Ein rüdes Faul auf dem grünen Rasen fördert zutage, was dem Leben der 20-jährigen Hayat (Karoline Herfurth) eine entscheidende Wende beschert: der Schmerz, den sie nach einem Fußtritt gegen ihre Brust spürte, erweist sich nicht als Rippenprellung, sondern als Brustkrebs. Die Ärzte fackeln nicht lange – ein Busen muss weg. Obwohl sie sich weiter schonen sollte, will Hayat drei Monate nach ihrer Operation gerne wieder gegen den Ball treten. Erst beim Training mit ihrer alten Mannschaft erfährt sie, dass ihr Vater sie vom Verein abgemeldet hat, offenbar sind Trainerin und Teamkolleginnen hier aber auch nicht in der Lage, sich im Sinne sportlicher Kameradschaft hinter Hayat zu stellen – und sei es auch nur, sie und ihre Krankheit so zu nehmen, was es ist: ein Schicksalsschlag, nach dem das Leben weiter gehen sollte oder könnte wie gehabt. Schon an dieser Stelle zeigt sich leider die eher eindimensionale Zeichnung der Nebendarsteller.

Eine nicht minder tragische Figur wie Hayat ist auch ihr manchmal etwas zu besorgter, in Larmoyanz badender Vater Baba Can (Thierry van Werveke). Den bereits einige Jahre zurückliegenden Tod seiner Frau hat er nach wie vor nicht verwunden, klammert sich ganz an die Tochter und hat Angst, nun auch sie zu verlieren. So gut er es mit ihr meint, so sehr engt er sie dadurch aber in ihren Freiheiten ein. Als er die Wände ihres Zimmers in guter Absicht als Stadionkulisse streicht und bemalt, scheint er zu vergessen, dass Hayat eben schon 20 Jahre alt und kein Kind mehr ist. Dass sie doch wieder auf den Kickplatz geht, wertet er als verantwortungslos, predigt ihr, sie müsse von ihrem alten Leben loslassen – obwohl er in seinem Fall genau dieses nicht tut.

Was Hayat aber vor allem zu schaffen macht, ist neben dem Umgang mit ihrem gezeichneten Körper der Trainer ihrer neuen Freizeitmannschaft vom FC Schanze. Toni (Ken Duken) ist wie sie ein manchmal schroffer Dickkopf und charmantes Kämpferherz, zu ihm fühlt sie sich einerseits hingezogen, andererseits aber auch immer noch sehr verletzlich und hat Angst, ihre Krankheit könne zu einem Problem werden. Um diesen Konflikt von Annäherung und Ablehnung andererseits kreist „Eine andere Liga“ in den verschiedensten Varianten, verbohrt sich jedoch nicht in der Ernsthaftigkeit der Problematik, sondern weiß immer wieder auch mit komödiantischen Elementen aufzulockern.

Geht’s auf den Kickplatz und vor allem zum FC Schanze, herrscht manchmal ein Gefühl wie bei den „Wilden Kerlen“ vor, will man manchmal aber auch nur hilfeschreiend „Zickenalarm“ rufen – aber solche Momente braucht es laut Drehbuch wohl, um den Unterschied zwischen jenen, die Fußball aus Leidenschaft und schönste Nebensache der Welt betrachten und jenen, die sich hier als toughe Mädels profilieren wollen, deutlich zu machen. Dass auf den Sporthemden der kickenden Frauenmannschaft der Schriftzug einer Krankenkasse prangt, mag im Zusammenhang mit der im Fußball üblichen Trikotwerbung legitim erscheinen, ist hier aber doch offensichtlich. Mehr noch, als die Ärztin sagen darf, ohne die erfolgte Krebsvorsorgeuntersuchung hätte Hayat den Tumor nie überlebt. Dass das abschließende Freundschaftsspiel zwischen Hayats alter und neuer Mannschaft mit einem 1:1 endet, ist denn auch ganz im Sinne der beteiligten Parteien und der überzeugend auftretenden Hauptfiguren. Wirkliche Gewinner sind sie alle nicht, Verlierertypen aber auch nicht. Was sie gelernt haben: man muss das Leben nehmen wie es ist.

Thomas Volkmann