Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidts

Mit Techno-Musik bringt man Sven Regener, Frontmann der Band „Element of Crime“ und inzwischen noch erfolgreicher als Verfasser autobiographischer Romane nicht wirklich in Verbindung, doch genau darum geht es in „Magical Mystery.“ Etwas  mäandernd entwickelt sich die um eine Tour durch Deutschland aufgebaute Handlung, die von pointierten, humorvollen Momenten aufgebrochen wird. Ein Film über Techno, Drogen und Freundschaft, ebenso warmherzig wie schräg – und mit einem überragenden Charly Hübner und einem tollen Detlev Buck in den Hauptrollen.

Webseite: dcmworld.com

Deutschland 2017
Regie: Arne Feldhusen
Buch: Sven Regener nach seinem gleichnamigen Roman
Darsteller: Charly Hübner, Detlev Buck, Bjarne Mädel, Marc Hosemann, Annika Meier, Henning Vogt
Länge: 111 Minuten
Verleih: DCM
Kinostart: 31. August 2017
Pressestimmen:

„Lebensfreude und witzige Dialoge… ein echter Kinospaß. Sehenswert.“
WDR

„Ein toller Film.“
Die Zeit

„Echt lustig… Eine deutsche Komödie, bei der man den Kinobesuch ohne Wenn und Aber empfehlen kann.“
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Karl (Charly Hübner) lebt in einer Drogen-WG in Hamburg, wo er versucht, seine Sucht nach Betäubungsmitteln aller Art zu überwinden. Bald hat er Urlaub, doch statt aufs beschauliche Land fährt er Mitte der 90er Jahre ins noch rohe, frisch vereinigte Berlin, wo die Techno-Welle ihren Höhepunkt erreicht. Sein alter Kumpel Ferdi (Detlev Buck) betreibt das überaus erfolgreiche Label Bumm Bumm Records und plant, mit seinen Musikern durch Deutschland zu touren. Doch da dies neben viel Musik auch Unmengen an Alkohol und Drogen bedeutet, braucht Ferdi einen Mann, der nüchtern bleibt: Karl.
 
Als eine Art Mädchen für alles sitzt Karl nicht nur am Steuer des Tour-Busses, sondern bemüht sich auch redlich, die bunt zusammen gewürfelten Musiker halbwegs pünktlich zu ihren Auftritten zu kutschieren und des morgens aus den Clubs zu befördern. Allerlei Merkwürdigkeiten ereignen sich während der Tour, die bei einem großen Rave in Dortmund ihren Höhepunkt findet.
 
Als lose Fortsetzung der Herr Lehmann-Trilogie hat Sven Regener seinen Roman „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidts“ konzipiert, mit der Besonderheit, dass über Herr Lehmann immer nur gesprochen wird, er aber nie auftaucht. In der filmischen Version ist der Bezug zu den autobiographischen Herr Lehmann-Büchern ganz verschwunden, wodurch die Schwächen des Konstrukts noch deutlicher zu Tage treten. Auf den ersten Blick bietet die kleine Deutschland-Tour, die von Berlin unter anderem über Bremen, Köln, München und Hamburg führt, zwar ausreichende Struktur, doch mehr als Episoden und Sketche reiht Regisseur Arne Feldhusen nicht aneinander. Kein Wunder, hat Feldhusen bislang doch in erster Linie beim Fernsehen gearbeitet und etwa das Comedy-Format Stromberg inszeniert.
 
Doch das hier der große Bogen fehlt, liegt nicht nur an Feldhusen, sondern vor allem an dem allzu dünnen Drehbuch von Sven Regener, dessen Hang zu skurrilen Figuren diesmal schnell an seine Grenzen stößt. Eine bunte Truppe hat Regener zwar zusammengeschrieben, die jedoch wenig Tiefe gewinnt. Selbst die eigentliche Hauptfigur Karl Schmidt bleibt eher blass, manche durch die Nähe zu Alkohol und Drogen getriggerte Halluzination behauptet zwar allerlei Probleme und eine tragische Vergangenheit, doch bald löst sich alles in Wohlgefallen auf.
 
Gerade Charly Hübner und Detlev Buck – die schon oft, zuletzt bei Bucks „Bibi & Tina“-Filmen, zusammengearbeitet haben – versprühen zwar bisweilen große Lust am Klamauk, an bizarren, auch anarchischen Momenten, die sich wiederum gut in das lose Handlungsgefüge einordnen. Am Ende fällt „Magical Mystery“ dennoch ein wenig zwischen die Stühle: Die heutige Techno-Generation dürfte den älteren Herrschaften, die hier im Mittelpunkt stehen und sich ihrer Jugend erinnern, wenig abgewinnen können, für die älteren Herrschaften, die Regeners Musik hören und seine Bücher lesen, mag viel zu viel vom oft brachialen Techno zu hören sein. So dicht und pointiert wie „Herr Lehmann“ ist diese Regener-Verfilmung jedenfalls nicht geraten.
 
Michael Meyns