Small Planets

Die Zeiten der großen Entdecker mögen vorbei sein, aber noch immer gibt es Orte auf dieser Welt, die weithin unberührt sind – von wenigen Einheimischen abgesehen. Orte wie die Insel Grimsey, die 41 Kilometer vor der Küste Islands liegt. Oder auch Spitzbergen, das nur gut einen Kilometer vom Nordpol entfernt liegt und nur in den Monaten per Schiff besucht werden kann, wenn die Eisschicht auf dem Meer sich zurückzieht. Es sind ungewöhnliche Orte, die Regisseur Dirk Manthey hier vorstellt – und dabei sind längst nicht alle weit abgelegen. Selbst in Neapel wird man fündig.

Webseite: www.smallplanets.eu

Small Planets
Deutschland2017/2018
Regie: Dirk Manthey
Länge: 96 Minuten
Verleih: dirk manthey film UG / Strandfilm / UCM.one
Kinostart: 9. Januar 2020

FILMKRITIK:

In Zeiten der Globalisierung ist die Welt zusammengeschrumpft. Man könnte oftmals den Eindruck haben, dass jeder Teil der Welt innerhalb kürzester Zeit erreichbar ist. In den meisten Fällen stimmt das auch, aber auch heute gibt es noch weithin abgelegene Orte, die vom Rest der Welt fast unberührt erscheinen. Das sind Orte in Island oder Norwegen, aber auch dort, wo man es nicht erwarten würde. Orte in Neapel oder dem spanischen San Francisco de Borja. Man muss nicht unbedingt um die Welt reisen, um solch abgelegene Orte zu erkunden. Etwas, das Regisseur Dirk Manthey mit seinem Film „Small Planets“ jedoch getan hat.
 
Beeindruckend an Mantheys stillem, vor allem die Bilder, aber auch die Menschen, die in den abgeschotteten Orten leben, sprechen lassenden Film ist, dass er sich nicht nur auf Orte wie das größte Laboratorium der arktischen Forschung in Ny-Ålesund konzentriert, sondern auch so etwas Ungewöhnliches wie die Gemeinde von aus Sri-Lanka stammenden Menschen inmitten von Neapel. Sie leben dort im Vicolo Francesco Correra, direkt im historischen Zentrum der Stadt, die auch als „il cavone“ („die große Höhle“) bekannt ist und vor allem von Armut geprägt ist. Dorthin zu kommen, ist, wie einen Blick auf eine gänzlich fremde Welt zu werfen.
 
„Small Planets“ erkundet nicht nur diese Orte und die Menschen, die dort leben, sondern stellt sich auch der Frage, welche Auswirkungen damit einhergehen. Denn die Menschen leben wie hinter einer unsichtbaren Mauer, fast losgelöst vom Rest der Welt, der mit dem Internet und der Digitalisierung immer schneller wird. Besucht man jedoch die Orte, die „Small Planets“ in den Fokus rückt, dann stellt man nicht nur fest, dass dort eine Form von Entschleunigung herrscht, eine Konzentration auf das wirklich Wichtige, dass aber auch die Wahrnehmung der dort lebenden Menschen auf die Welt eine ganz andere ist.
 
Um diese Orte zu erreichen, muss man Mühsal auf sich nehmen, muss man Hindernissen trotzen. Es ist eine Reise, wie sie früher gewesen sein mochte, als selbst kurze Strecken noch Planung und Zeitaufwand bedeuteten – so wie sich einer der alten Herren im Lepra-Sanatorium in Spanien daran erinnert. Heute reist man schnell, aber es gibt sie noch, die Orte, die verlocken, die aber auch einen Preis von dem fordern, der sie sehen will. Mantheys Film nimmt den Zuschauer dort hin mit, ohne dass dieser sich den Schwierigkeiten einer solchen Reise stellen muss. Der Erkenntnisgewinn, der damit einhergeht, ist aber auch in „Small Planets“ spürbar.
 
Peter Osteried