Sumé – The Sound of a Revolution

Seit 1979 ist Grönland ein autonomer Teil Dänemarks, das zwar vom Mutterland abhängig, in den meisten Fragen aber unabhängig ist. Der Weg zur Unabhängigkeit begann Anfang der 70er Jahre nicht zuletzt durch die Musik der Band Sumé, deren Bedeutung Inuk Silis Hoegh in seiner sehenswerten Dokumentation „Sumé – The Sound of a Revolution“ nachzeichnet.

Webseite: http://mindjazz-pictures.de

Dänemark/ Norwegen 2014 – Dokumentation
Regie: Inuk Silis Hoegh
Länge: 73 Minuten
Verleih: mindjazz pictures
Kinostart: 21. Januar 2016
 

FILMKRITIK:

Grönland, grüne Insel, ein zutiefst ironischer Name, ist die größte Insel der Welt doch fast komplett von Schnee, Eis und Gletschern bedeckt und hat die geringste Bevölkerungsdichte der Welt – bis auf die Antarktis. Lange Jahrhunderte war Grönland nur von seinen Ureinwohnern besiedelt, bis Ende des ersten Jahrtausends norwegische Nordmänner auf ihrem Weg nach Nordamerika auf die Insel kamen. Eine lange Kolonialzeit begann, die erst 1979 offiziell beendet wurde.

Angesichts der extremen Lage und der harschen Lebensbedingungen verwundert es nicht, dass Grönland mit gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat und bis heute von Subventionen Dänemarks abhängig ist. Nicht zuletzt davon sang die Band Sumé (was auf Grönländisch „Wo?“ bedeutet), die 1972 gegründet wurde und 1973 ihr Debüt-Album mit dem Titel „Sumet“- Wohin? veröffentlichte. Auf dem Cover ist ein Inuit zu sehen, der über einem von Pfeilen durchsiebten Nordmann steht und triumphierend dessen abgeschnittenen Arm hochreckt. Doch nicht nur diese brachiale Geste muss Anfang der 70er Jahre wie ein Fanal gewirkt haben, auch das Sumé nicht auf Dänisch oder Norwegisch sangen, sondern als erste Band auf Grönländisch bescherte der Rockgruppe in ihrer Heimat enorme Popularität.

Wie es der selbst aus Grönland stammende Regisseur Inuk Silis Hoegh in seiner sehenswerten Dokumentation „Sumé – The Sound of a Revolution“ nacherzählt, war die Musik von Sumé genau das: Die Musik, die eine Revolution inspirierte. Ähnlich den Unabhängigkeitsbewegung in vielen Ländern der so genannten Dritten Welt, begann sich auch die Bevölkerung Grönlands gegen die Herrschaft Dänemarks zu wehren, dass das Land und seine nicht unerheblichen Bodenschätze ausbeutete. Und das die Urbevölkerung der Insel, die Inuit, diskriminierte. Vielfältige Dokumentaraufnahmen hat Hoegh zusammengetragen, die einen faszinierenden Einblick in das urwüchsig wirkende Leben auf Grönland, vor allem in der Hauptstadt Nuuk liefern, aber natürlich auch diverse Aufnahmen der Band zeigt.

Deren Musik klingt zwar heute wie recht konventioneller Rock, doch welche Bedeutung ihre Musik und vor allem die kritischen Texte in der damaligen Zeit gehabt haben müssen wird in den zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen deutlich, die sich oft mit Tränen in den Augen an Konzerte und Demonstrationen erinnern und voller Wehmut der Musik Sumés lauschen.

Denn auch wenn 1979 die weit gehende Autonomie Grönlands beschlossen wurde: Fundamental hat sich an der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation auf der Insel seitdem wenig geändert. Allzu abhängig ist man immer noch von Dänemark, allzu schlecht sind die Möglichkeiten für die Jugend, die sich oft in Drogen und Alkohol flüchtet. Auch davon erzählt Inuk Silis Hoegh in seiner nur 73 Minuten kurzen Dokumentation, die zwar mit der Geschichte einer Band beginnt, aber weit über die Musik hinausgeht und gerade dadurch so interessant wird.
 
Michael Meyns