Supervized -Helden bleiben Helden

Bei all den Marvel- und DC-Superhelden, die gefühlt monatlich über die Kinoleinwände schwingen, fliegen und laufen, käme man gar nicht auf die Idee zu fragen, wie es diesen Figuren wohl ergehen mag, wenn das hohe Alter mit ihnen aufgeholt hat. Das liegt vielleicht daran, weil diese Helden zeitlos sind und schon in den Comic-Vorlagen keine merkliche Alterung erleben. Die irisch-britische Komödie „Supervized“ stellt aber die Frage, wie der Lebensabend geriatrischer Superhelden wohl sein könnte. Die Antwort ist höchst vergnüglich, aber auch mit ernstem Unterbau versehen.

Webseite: www.kinostar.com

Irland / Großbritannien 2019
Regie: Steve Barron
Darsteller: Tom Berenger, Louis Gossett Jr., Fionnula Flanagan, Beau Bridges
Länge: 90 Minuten
Verleih: Kinostar
Kinostart: 12. Dezember

FILMKRITIK:

Aus dem irischen Anwesen Dunmoor hat man ein Altersheim für international tätige Superhelden gemacht, die hier ihren Lebensabend verbringen können. Zugleich achtet man aber auch darauf, dass ihre Kräfte nicht außer Kontrolle geraten, denn dann müsste man sich darum kümmern und diese dämpfen. Ray (Tom Berenger) war einst Maximum Justice, einer der größten Helden der Erde, aber im Altersheim hat er nicht mehr viel zu tun, außer Wettrennen mit Pendle alias Total Thunder (Louis Gossett Jr.) zu rennen. Sein Sidekick Ted (Beau Bridges) lebt auch in Dunmoor – zumindest, so lange es noch geht, denn bei ihm wurde Krebs festgestellt. Einigen anderen Bewohnern von Dunmoor geht es auch nicht so gut, und als Ray beobachtet, wie sich spätnachts Verdächtiges tut und tags darauf einer seiner Freunde tot ist, ist er sicher, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Er spürt einer Verschwörung nach, deren Ziel es offenbar ist, den Helden ihre Kräfte zu stehlen. Oder könnte er sich das am Ende alles nur einbilden?
 
Wer mit der Erwartungshaltung an einen typischen Superheldenfilm an „Supervized“ herangeht, wird wohl bitterlich enttäuscht. In erster Linie ist dies schon ein von der Situationskomik getragener Film, der viel Schmunzeln und Lachen lässt, er hat aber auch ernsthafte Momente aufzubieten. Weil es im Kern eben auch darum geht, alt zu werden und dem Tod immer näher zu kommen. Und da hat es keinerlei Bedeutung, ob man nun Superkräfte hat oder nicht. Das Ende des Lebenswegs ist für alle gleich und mit derselben Superkraft versehen: „Wir sind unsichtbar“, sagt Ray, „so wie alle Alten.“
 
Hinter allem Humor prangert der Film somit auch an, wie die (junge) Gesellschaft sich ihren Alten gegenüber verhält, sie ignoriert oder gleich in Altersheimen deponiert – ganz nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Das sind die ernsthaften, authentischen Momente des Films, denen Momente sehr breiten Humors gegenüberstehen. Der ist nicht immer geschmackssicher, trifft aber meist ins Ziel. Zudem funktioniert der Film für Superhelden-Fans noch ein klitzekleines Bisschen mehr, weil er klassische Themen aufgreift, so etwa den Sidekick, der über diesen Status hinauswachsen und zum echten Partner werden will, aber auch reichlich Humor daraus bezieht, dass er mit dem Ikonenhaften des Superhelden spielt.
 
Natürlich kommt der Moment, in dem Ray und seine Freunde sich wieder ins Kostüm werfen, auch wenn es an allen Ecken und Enden zwickt und nicht mehr so richtig sitzt. Man muss sich das von der Optik wie Adam West und Burt Ward in der alten „Batman“-Fernsehserie aus den 1960er Jahren vorstellen und keineswegs so, wie Superhelden heute aussehen. Der Kontrast wird noch dadurch verstärkt, dass die Helden von einst auf einen neuen Superhelden treffen. Der sieht besser aus, wirkt im Vergleich zu den alten Haudegen aber auch reichlich verweichlicht und steht mehr auf den Rummel, dem ihm sein Heldentum einbringt, als darauf, etwas Gutes zu tun. Auch damit spielt der Film, indem er die Superhelden von einst zum Äquivalent dessen macht, was altgediente Schauspieler heutzutage auf Conventions betreiben: Vom Ruhm alter Tage zehren.
 
Die Geschichte von „Supervized“ ist relativ vorhersehbar und bedient sich eines sehr klassischen Genre-Elements, das es beispielsweise auch bei der Schurkenfigur der Fernsehserie „Heroes“ gegeben hat. Das erlaubt den alten Recken immerhin ein wenig Action, die mit hübsch gemachten, aber niemals das Geschehen an sich reißenden Effekten umgesetzt ist.
 
Das ist aber nur ein kleines Element dieses amüsanten Films, der das Superhelden-Genre liebevoll persifliert, die alten Helden aber auch nutzt, um mit Humor und der gebotenen Menge an Ernsthaftigkeit vom Leben alter Menschen zu erzählen.
 
P.S. Anders als bei den Marvel- und DC-Filmen muss man hier den Abspann nicht abwarten. Im Anschluss kommt nichts mehr. Was für eine verschenkte Chance für Maximum Risk und seine Kollegen.
 
Peter Osteried