The Hallow

Klassisches, traditionelles Genre-Kino liefert Corin Hardy mit seinem Regiedebüt "The Hallow" ab, der sich lose bei irischen Mythen bedient, Geisterwesen und finstere Wälder bemüht, um einen erfrischend unprätentiösen, linear erzählten Thriller zu inszenieren, der beweist, dass man nicht unbedingt originell sein muss, um zu unterhalten.

Webseite: www.dropoutcinema.org

GB 2015
Regie: Corin Hardy
Buch: Corin Hardy, Felipe Marino
Darsteller: Joseph Mawle, Bojana Novakovic, Michael McElhatton, Stephen Cromwell, Michael Smiley
Länge: 97 Minuten
Verleih: Drop-Out Cinema
Kinostart: 31. Dezember 2015
 

FILMKRITIK:

Adam (Joseph Mawle) und Clare (Bojana Novakovic) ziehen mit ihrem gerade geborenen Baby in eine abgelegene Gegend, wo Adam als Umweltschützer arbeitet. Sein Beruf führt in auch in den umliegenden Wald, in die urwüchsige Natur, sehr zum Unwillen der Nachbarn. Besonders Colm (Michael McElhatton) warnt das Paar inständig davor, den Wald zu betreten, denn der gehöre den Hallows, Geisterwesen, die im Einklang mit der Natur leben und sich im Fall der Bedrohung gegen die Menschen zur Wehr setzen können. Und so kommt es auch: Das Baby des Paares wird vom Wald vereinnahmt und kann nur gerettet werden, indem sich Adam aufopfert.

Eine einfache, schnörkellose Thriller-Geschichte erzählt Corin Hardy in seinem Regiedebüt "The Hallow", nüchtern betrachtet völlig frei von Überraschungen und originellen Wendungen. Nach wenigen Minuten ist offensichtlich, dass es tatsächlich Geisterwesen sind, die das Paar und sein Baby bedrohen, was folgt ist das konsequente Durchdeklinieren der Genremuster bis zum Ende.

Bemerkenswert ist nun, wie effektiv "The Hallow" als Spannungsfilm funktioniert, wie geschickt Hardy mit den bekannten Motiven spielt, nie vom absehbaren Pfad abweicht und dennoch hervoragend unterhält. Oft heißt es ja, Kino müsste überraschen, müsste Neues, nie Gesehen zeigen, ungewöhnliche Geschichten erzählen. Dass ist natürlich nie verkehrt, ist aber keineswegs Voraussetzung für einen guten Film, erst recht nicht für einen überzeugenden Genrefilm.

Gerade das Genre lebt von der Variation des Bekannten, dem Spiel mit Motiven, die schon zigfach verwendet wurden, aber doch immer wieder funktionieren. Wie oft hat man Filme gesehen, in denen Figuren langsam durch dunkle, verlassene Häuser gehen und hinter jeder Ecke das Böse erwarten. Bedrohliche Musik, fließende Kamerabewegungen unterstützen den Spannungsaufbau und auch wenn man als erfahrener Zuschauer ganz genau weiß, dass gleich etwas passieren wird, ist man – bei effektiver Inszenierung – doch jedes Mal wieder aufs neue überrascht, wenn es dann passiert.

Und genau das ist bei "The Hallow" der Fall, der mit sparsamen Einsatz von handgemachten Effekten überzeugt, die weit erschreckender wirken als noch so aufwändige Computereffekte, wie sie heutzutage oft allzu exzessiv eingesetzt werden. Wie man mit geringem Budget dennoch einen eindrucksvollen, effektiven Genrefilm inszeniert beweist Corin Hardy auf ausgesprochen überzeugende Weise.
 
Michael Meyns